Gedächtnis einer Stadt

Gedächtnis einer Stadt
Viele Dokumente haben eine historische Bedeutung. Bild: Stefanie Paul

Ein Besuch im Historischen Archiv der Stadt Köln.

An diesem Ort muss alles seine Ordnung haben! Denn das Historische Archiv ist so etwas wie das Gedächtnis unserer Stadt. Dort werden Unterlagen aufbewahrt, die für die Geschichte Kölns bedeutsam sind und die von Ereignissen berichten, an die man sich unbedingt erinnern möchte.

Die Dokumente sind genau sortiert. Bild: Stefanie Paul

Alles, was wichtig ist

Von außen wirkt es ein bisschen verschlossen, langweilig und abweisend. Das hat damit zu tun, was innendrin gesammelt wird. Im Historischen Archiv der Stadt Köln am Südbahnhof werden zum Beispiel uralte Schriften aus dem Mittelalter verwahrt, außerdem Bücher, Urkunden, Fotos, Filme und andere Dokumente. Um all das möglichst lange zu erhalten, muss es speziell gelagert und geschützt werden, zum Beispiel vor zu viel Tageslicht. „Wir bewahren all das auf, was für die Geschichte der Stadt wichtig ist – und noch wichtig werden kann. Im Grunde heben wir diese Dinge für die Ewigkeit auf“, sagt Christine Feld, die im Stadtarchiv arbeitet.

Die alten Bücher werden regelmäßig gereinigt und repariert. Bild: Stefanie Paul

Ein fürchterlicher Tag

Vor 16 Jahren kam es zu einem schlimmen Unglück. Damals wurde unter dem alten Stadtarchiv am Waidmarkt ein neuer U-Bahn-Tunnel gegraben. Dabei ging etwas fürchterlich schief: Der Untergrund gab nach und das Archivgebäude stürzte ein. Zwei Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Die alten Schriften und Dokumente wurden unter den Trümmern begraben, sie landeten im Schmutz und im Wasser.

Das Goldene Buch der Stadt Köln. Bild: Stefanie Paul

Anders als andere Archive

Das Kölner Stadtarchiv ist anders als andere Archive. Und das hat mit dem Einsturz des alten Archivs zu tun. Seit damals sind Restauratoren und Restauratorinnen damit beschäftigt, die Dokumente und Schriften zu reinigen und zu reparieren. Die Archivarinnen und Archivare kümmern sich darum, das Ganze zu sortieren und wieder in eine Ordnung zu bringen. Bis alle Bücher und Schriftstücke restauriert sind, wird es wohl noch 30 Jahre dauern. Das ist eine ganz schön lange Zeit! Deshalb gibt es im Stadtarchiv auch extra eine große Werkstatt. Dort wird zum Beispiel jede einzelne Seite gereinigt. „Durch den Einsturz hat sich nämlich Staub auf die Blätter gelegt“, erklärt Christine Feld. Der Staub enthält bestimmte Stoffe, die dem Papier schaden und es nach und nach zerstören. Deshalb muss jede Seite auf eine spezielle Art und Weise sauber gemacht werden.

Um die Dokumente sind pflegen, brauchen die Archivarinnen und Archivare verschiedene Werkzeuge. Bild: Stefanie Paul

Ohne Ordnung geht nichts

In einem Archiv ist eines super wichtig: Ordnung! Man muss wissen, wo welche Bücher, Urkunden und Schriften lagern. Durch den Einsturz ist das alles durcheinandergekommen. Deshalb sind die Fachleute im Archiv auch immer noch dabei, alles zu ordnen. Früher bekamen die Sachen eine Art Aufkleber mit einer Reihe aus Zahlen und Buchstaben. Man nennt das Signatur. Sie ist so eine Art Ausweis. In Köln haben die Sachen mittlerweile aber einen Barcode. Das ist ein Strichcode, der gescannt wird, ähnlich wie im Supermarkt – und die Fachleute sehen, worum es sich handelt.

Ein besonderer Bau

Wenn man das Stadtarchiv von außen betrachtet, sieht man vor allem die Büros der Mitarbeitenden. Wie eine Art Schutzmauer umgeben sie den wichtigsten Raum: das sogenannte Magazin. Das ist quasi ein Gebäude mitten im Gebäude. Dort werden alle Bücher, Schriften und Urkunden aufbewahrt, aber auch Fotos und Filme. „Damit im Magazin nichts durcheinanderkommt, dürfen nur ganz bestimmte Leute dort hinein“, verrät die Fachfrau Christine Feld. Das Magazin besteht im Inneren aus 28 kleineren Räumen. Dort herrschen unterschiedliche Temperaturen, und auch die Luftfeuchtigkeit ist anders. Fotos und Filme müssen etwa bei sehr niedrigen Temperaturen aufbewahrt werden, damit sie erhalten bleiben. Die Räume sind jeweils streng voneinander getrennt. Das ist zum Beispiel wichtig, wenn es einmal brennen sollte. Dann muss man das Löschwasser nämlich nicht im ganzen Magazin verteilen, sondern nur in dem Raum, in dem es brennt.

 Kleine Plagegeister

 Sie sind winzig klein. Aber sie können einen ziemlich großen Schaden anrichten. Die Rede ist von den sogenannten Papierfischchen. Ursprünglich stammen die Insekten vermutlich aus Asien und Afrika, aber seit einiger Zeit breiten sie sich auch bei uns immer mehr aus. Sie mögen es warm und feucht. Und auf ihrem Speiseplan steht – na klar! – Papier. Das kann in einem Archiv zu einem echten Problem werden. Deshalb achten die Fachleute super genau darauf, dass keine Schädlinge eingeschleppt werden. Besonders wertvolle Dokumente werden zum Beispiel in speziellen Schränken aufbewahrt. Die sind so gebaut, dass keine Insekten eindringen können. Die älteste Schrift, die im Archiv lagert, ist immerhin rund 1.200 Jahre alt! Und sie soll noch lange erhalten bleiben.

Von Stefanie Paul