Dachs, der Baumeister

Dachs, der Baumeister
Dachse kann man an ihrer typischen Maske erkennen: Sie besteht aus weißen und schwarzen Streifen im Gesicht. Foto: Philipp Brandstädter/-/dpa

Nur mit viel Glück bekommt man einen leibhaftigen Dachs zu Gesicht. Dabei ist das Tier in vielen Wäldern heimisch. Weil er sich so gut versteckt, bleibt der Dachs aber für viele geheimnisvoll.

Man kennt ihn höchstens als ausgestopftes Tier im Naturkundemuseum. Dort erkennt man ihn wegen seiner auffälligen schwarz-weißen Gesichtsmaske sofort. Leibhaftig aber haben ihn wohl nur wenige Leute schon einmal zu Gesicht bekommen. Dabei gibt es seine tollen Bauten in fast jedem Wald. Die Rede ist vom Dachs.

Mit knapp einem Meter Körperlänge und einem flachen Körper ist der Dachs recht kompakt. So kann sich das graue Tier gut durch seine Gänge bewegen. Denn der Dachs lebt unterirdisch in seinem Bau.

Leben in unterirdischen Gängen

„Dachse graben mehrere Meter lange Gänge, die schließlich in einem Wohnkessel enden“, erklärt Saskia Malcher. Sie ist Tierpflegerin im Otterzentrum Hankensbüttel. Dort kann man echte Dachse beobachten. „Diese Bauten werden dann von Dachs zu Dachs um weitere Wohnungen erweitert“, sagt die Fachfrau.

Dachse sind gesellige Tiere. Sie leben in großen Familienverbänden zusammen. Foto: Philipp Brandstädter/-/dpa

Dachse leben gesellig in einem Familienverband. Die Tiere verständigen sich untereinander mit Duftmarken und Lauten. Damit machen sie auf sich aufmerksam oder warnen einander vor Gefahren. Mal bellen die Tiere wie ein Hund, mal schnurren sie wie eine Katze, mal fiepen sie wie eine Maus. Mindestens 16 unterschiedliche Laute haben Forschende schon erfasst.

Über Generationen hinweg bauen Dachse an ihren Bauten und erweitern sie um neue Wohnkessel. So kann sich ein Dachsbau nach einigen Jahren über mehrere hundert Meter lange Gänge erstrecken. In manchen Wäldern kann man mit einem geübten Blick die Eingänge eines Dachsbaus erkennen.

Allesfresser Dachs

Durch die Erde gräbt sich der Dachs mit seinen langen Krallen an den Vorderfüßen. „Dort spürt er mit seiner guten Nase auch seine Lieblingsspeise auf: Regenwürmer“, erklärt Saskia Malcher. Der Dachs gehört zu den Allesfressern. Neben Würmern, Schnecken, Mäusen und Insekten frisst er auch Wurzeln, Beeren, Samen und Pilze. Dabei könnten Dachse aber auch größere Tiere erbeuten. „Der Biss eines Dachses ist gefährlich“, warnt die Expertin. „Seine Zähne und Kiefer sind stark genug, um Knochen zu brechen.“

Dachse besser schützen

Natürliche Feinde hat der Dachs als vergleichsweise großes Raubtier eher wenige. Allerdings ist sein Lebensraum durch die Landwirtschaft von uns Menschen bedroht. Früher noch wurde der Dachs wegen seines Fells gejagt. Vor rund 50 Jahren sank die Zahl der Dachse stark, als Menschen versuchten, die Tollwut zu bekämpfen. Das ist eine Krankheit, die auch Menschen bekommen können.

Heutzutage versucht man den Dachs besser zu schützen. Dazu lässt man zwischen Feldern und entlang von Siedlungen, Wegen und Flüssen etwa Hecken stehen. Denn auch dort zwischen den Büschen errichten die tierischen Baumeister die Eingänge in ihre unterirdische Welt.

Von Philipp Brandstädter (dpa)