Gottesanbeterinnen leben gut getarnt

Gottesanbeterinnen leben gut getarnt
Gottesanbeterinnen können stundenlang still an einer Stelle auf Beute lauern. Foto: Jennifer Heck/dpa

Sie sind flinke Räuber und haben viele Tricks auf Lager. Gottesanbeterinnen sind gut getarnt und werden sie nur selten entdeckt. Auch deshalb, weil sie nur wenige Monate im Jahr zu sehen sind.

Die Blätter an einer Hauswand wippen im Wind. Doch nicht alles Grüne gehört zur Pflanze Efeu. Mitten im Gestrüpp hockt super getarnt eine Gottesanbeterin. Nicht viele Leute haben schon mal eine Gottesanbeterin in freier Natur gesehen. „Dass man sie so selten sieht, liegt daran, dass sie so gut getarnt sind“, sagt Hannes Petrischak. Er ist Biologe und Naturschützer. „Die Gottesanbeterin
schaukelt im Wind wie ein Grashalm.“ So nimmt das Auge sie nicht als ein Tier wahr.

Außerdem gehen Gottesanbeterinnen meist sehr langsam. Droht aber eine Gefahr, laufen sie auch mal davon. „Wenn auf dem Boden etwas weghuscht, muss das keine Maus gewesen sein“, sagt Herr Petrischak. „Auch Gottesanbeterinnen können flink durchs Gras huschen.“ Die Tiere gehören zu den Fangschrecken, die als Meister der Tarnung bekannt sind. Und sie sind Lauerjäger. Das heißt, sie setzen sich irgendwo ruhig hin und warten, dass ein Insekt in ihre Nähe kommt. Läuft oder fliegt ihre Beute in Reichweite, schaut die Gottesanbeterin mit ihren besonders großen Augen genau hin.

Für Menschen sind Gottesanbeterinnen harmlos. Foto: Jennifer Heck/dpa

Sie schlägt blitzschnell zu

„Die Gottesanbeterin kann ihren Kopf stark drehen“, sagt Herr Petrischak. „Sie kann der Bewegung der Beute folgen, ohne dass sie ihren Körper bewegen muss.“ Manchmal nähert sie sich auch schaukelnd an. An den Armen hat sie kräftige Dornen. Blitzschnell schlägt sie dann zu und fängt ihre Beute. Das geht etwa sechsmal schneller, als wir mit dem Auge blinzeln. Einmal in die Arme einer Gottesanbeterin geraten, kommt ein Insekt dort meist nicht mehr raus. Für Menschen sind die Tiere jedoch harmlos.

Weil Gottesanbeterinnen Insekten fressen, schlüpfen sie erst im Mai. Dann ist längst Frühling und es krabbeln genug kleine Tierchen in Wiesen und in Büschen herum. Die winzigen Jungtiere sehen schon ähnlich aus wie erwachsene Gottesanbeterinnen, sind aber kaum sichtbar. „Wenn Gottesanbeterinnen ganz klein sind, können die noch keine Heuschrecken oder so was fangen“, sagt Herr Petrischak. „Sie fressen alles, was sie überwältigen können. Winzige Gottesanbeterinnen fressen daher winzige Tiere.“ Zum Beispiel kleine
 Milben.

Großer Appetit

Dabei entwickeln die Tiere viel Appetit. Ein ausgewachsenes Weibchen kann einige Heuschrecken am Tag verspeisen. Die Tiere fressen sogar ihre eigenen Artgenossen. Erwachsene Tiere tummeln sich ab Ende Juli in den Gärten und Feldern. Auch im Herbst sind sie noch zu entdecken, bis es zum ersten Mal frostig wird nachts.

Von Jennifer Heck (dpa)