Zwei Meere, viele Unterschiede

Zwei Meere, viele Unterschiede
Dieser Kanal verbindet die Nordsee mit der Ostsee. Foto: Frank Molter/dpa

Die Ostsee ist so salzig wie Tränen. Nordseewasser brennt dagegen in den Augen. Hier erfährst du alles Wichtige über die beiden Meere, die an Deutschland grenzen.

Ab an den Strand! Wer Urlaub am Meer machen möchte, muss Deutschland nicht verlassen. Mit der Nordsee im Nordwesten und der Ostsee im Nordosten grenzen gleich zwei Meere an unser Land. Johanna Baehr kennt sich mit beiden aus. Die Professorin arbeitet am Institut für Meereskunde an der Universität Hamburg. Wie unterscheiden sich die Nordsee und die Ostsee?

Wenn Ebbe ist, kann man im Watt wandern. Foto: Christian Charisius/dpa

„Die Nordsee ist an den offenen Ozean angebunden“, sagt Johanna Baehr. Die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantiks. „Die Ostsee liegt eher abgegrenzt und ist ein Binnenmeer“, sagt die Fachfrau. Die Ostsee ist nur an einer schmalen Stelle mit der Nordsee und daher auch mit dem offenen Ozean verbunden. Dieser Ort liegt zwischen den Ländern Dänemark und Schweden. Dort treffen sich Nordsee und Ostsee.

Schmale Verbindung

Die schmale Verbindung sorgt dafür, dass der Atlantik auch auf die Ostsee einwirkt. Jedoch sehr viel weniger als auf die Nordsee. „Die Nordsee wird stark vom Atlantischen Ozean beeinflusst“, sagt Johanna Baehr. Dieser hat unter anderem Auswirkungen auf die Wassertemperaturen und das Wetter. Aber auch auf die Gezeiten. Wer schon einmal am Wattenmeer der Nordsee war, weiß: An der Küste ist das Wasser nicht immer da. Es gibt dort im Wechsel Ebbe und Flut. Bei Ebbe ist nur Watt zu sehen. Das ist der Boden der Nordsee.

Die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantischen Ozeans. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

An der Ostsee passiert das nicht. Hier sind die Gezeiten kaum spürbar. Das Klima ist milder. „Die Ostsee ist viel flacher und wärmt sich schneller auf“, erklärt die Fachfrau. Manchmal wird die Ostsee daher auch als Planschbecken oder Badewanne bezeichnet. „Die Nordsee hat ganz unterschiedliche Tiefen. In den küstennahen Gebieten ist sie so flach wie die Ostsee, aber es gibt auch Stellen, wo sie mehrere hundert Meter tief ist“, sagt die Expertin.

Beule des Atlantiks

Die Ostsee war tatsächlich mal ein See. „Sie ist aus einem Schmelzwassersee entstanden“, sagt Johanna Baehr. Dieser bildete sich aus kilometerdicken Gletschern in der letzten Eiszeit. „Als es bei der Entstehung der Ostsee anfing, spannend zu werden, war die Nordsee schon lange da“, sagt die Expertin. „Die Nordsee hat sich so als Beule des Atlantiks entwickelt.“

Wangerooge liegt in der Nordsee und gehört zu den Ostfriesischen Inseln. Foto: Sina Schuldt/dpa

Daher hat sie auch einen ähnlichen Salzgehalt wie der Atlantik. „Der ist so hoch, dass es fürchterlich brennt, wenn man das Wasser in die Augen bekommt“, erklärt Johanna Baehr. Auf einen Liter Wasser aus der Nordsee kommen etwa 35 Gramm Salz. In der Ostsee ist es nur halb so
viel. „Der Salzgehalt von Tränen ist so ähnlich wie der vom Ostseewasser“, sagt die Fachfrau. In der Ostsee kann man also beim Tauchen eher die Augen öffnen, auch wenn man keine Tauchermaske
trägt.

Von Insa Sanders (dpa)