Wenn die Zähne klappern

Wenn die Zähne klappern
Ein Teddybär soll eine Spritze bekommen. Foto: Ruth Rehmet/dp

Angst ist ein starkes Gefühl, das wichtige Funktionen erfüllt. Auch wenn es einen oft behindert. Mit einer Therapeutin sprechen wir über dieses Gefühl und lernen es besser kennen.

Eigentlich weiß Louis, dass es keine Werwölfe gibt. Er ist schließlich schon sieben Jahre alt. Aber wenn er abends in seinem Bett liegt, ist er sicher, dass einer in seinem Zimmer ist: „Ich stelle mir vor, dass der durch die Tür unter mein Bett kommt. Der ist riesig und hat ein gruseliges Gesicht“, sagt Louis. Er beginnt zu zittern und versteckt sich unter der Bettdecke. Er hat Angst.

„Ganz normal“, erklärt Janina Rogoll. Sie ist eine Psychotherapeutin für Kinder und hat mehrere Bücher geschrieben. „Ängste sind gesund. Die Angst sichert unser Überleben. Man hat zum Beispiel Angst vor der Dunkelheit, weil man sich da nicht orientieren kann“, sagt sie.

Angst sorgt dafür, dass wir uns nicht in Gefahr begeben. Die Gefühle, die wir dabei empfinden, sollen unseren Körper auf die Überlebensreaktionen vorbereiten: auf Kämpfen, Weglaufen oder Totstellen. Das dauert nicht ewig. Nach etwa 30 Minuten wird die Angst weniger.

Wenn Louis Angst hat, kriecht er unter die Bettdecke. Foto: Ruth Rehmet/dpa

Die Ängste kennenlernen

Janina Rogoll hält es für wichtig, seine Ängste besser kennenzulernen. „Was glaubst du, was will deine Angst dir sagen? In dem Moment, in dem ich die Angst gewinnen lasse, nimmt sie sich immer mehr Raum“, erklärt sie. Alle Kinder haben ähnliche Ängste. Diese Ängste passen zu der Entwicklung, die das Kind gerade macht.

Wenn es laufen lernt, bekommt es Angst, sich von seinen Eltern zu trennen. Dann wird es nicht zu weit weglaufen. Oft treten Ängste in Situationen auf, in denen sich im Leben etwas verändert. Angst sollte man also akzeptieren und ihr mutig entgegentreten.

Frau Rogoll schlägt vor, sich kleine Aufgaben zu setzen. Wenn man etwa Angst hat, in der Schule ausgelacht zu werden, kann man sich zunächst vornehmen, sich am nächsten Tag einmal zu melden. So kann man herausfinden, ob das, wovor man sich fürchtet, auch passiert. Und wenn ja, warum. Wenn das klappt, setzt man sich das nächste kleine Ziel.

„Ich bin mutig und stark“

Und wann sollte man sich Hilfe suchen? „Wenn die Angst das normale Leben beeinträchtigt, wenn die Gesundheit gefährdet ist, man nicht mehr rausgehen will“, rät die Expertin.

Ängste lassen sich gut heilen. Zum Beispiel behandelt ein Kind, das solche Angst vor Spritzen hatte, dass es nicht mehr zum Arzt gehen wollte, damit inzwischen seinen Teddy. Louis hofft, dass er seine Angst vor dem Werwolf bald besiegen kann. Vor Vampiren fürchtet er sich nicht mehr. Er stellt sie sich einfach in Lila und mit lustigen Gesichtern vor. Außerdem hat er sich einen Mutsatz ausgedacht: „Ich bin mutig und stark.“ Das hilft ihm.

Von Ruth Rehmet (dpa)