Wie Tiere sich ihrer Umgebung angepasst haben

Sie ist unter anderem Schuld daran, dass es nicht mehr so viele Vögel, vor allem Kiwis, in Australien und Neuseeland gibt: Die Hauskatze. (Foto: dpa)
Sie ist unter anderem Schuld daran, dass es nicht mehr so viele Vögel, vor allem Kiwis, in Australien und Neuseeland gibt: Die Hauskatze. (Foto: dpa)

Wusstest du, dass es Auswanderer-Tiere gibt? Diese Tiere werden und wurden von Menschen mit dem Schiff, dem Flugzeug oder der Kutsche von einem Ort zu einem anderen Ort gebracht. Dann sind sie entweder ausgesetzt worden oder ausgebüxt. Und wenn sie frei in einem fremden Land leben, kann das zu Problemen führen.

In der Natur ist es nämlich so: Jedes Tier sucht sich eine sogenannte ökologische Nische. Es bevorzugt zum Beispiel einen bestimmten Lebensraum oder bestimmte Nahrung. So gibt es Vögel, die mit ihrem Schnabel besonders gut Nüsse knacken können, während andere Vögel lieber weiche Nahrung wie Regenwürmer fressen. So fressen sich die Tiere nichts gegenseitig weg. Jetzt stell dir aber vor, dass neue Tiere in das Land kommen, die zufällig dieselbe Nahrung mögen wie ein Tier, das dort bereits lebt – und dass beide Tiere um die Nahrung kämpfen. Jetzt sind drei Ergebnisse möglich: Entweder das neue Tier verliert – und stirbt direkt aus. Oder das neue Tier ist stärker, gewinnt und verdrängt das alte Tier. Oder es gibt genug Nahrung für alle und das alte und das neue Tier leben einfach zusammen in dem Land. Zusammen mit Peer Cyriacks von der Deutschen Wildtierstiftung stellen wir dir einige Tiere vor.

 KINA - Tiere verdrängen TiereEichhörnchen

In Nordamerika sehen die Eichhörnchen ganz anders aus als in Deutschland: Ihr Fell ist grau und sie sind größer und stärker als unsere roten Eichhörnchen. Vor etwa 150 Jahren kamen graue Eichhörnchen aus Nordamerika mit Schiffen nach Großbritannien. Dort verbreiteten sie sich schnell, auch, weil sie anpassungsfähiger sind als die einheimischen roten Eichhörnchen. Während die roten sich auch in der Stadt noch wie Waldbewohner ernähren und am liebsten Nüsse und Samen essen, durchwühlen die grauen auch die Mülleimer von Menschen, essen Brot oder alte Pommes, und lassen sich sogar im Park füttern. Mit der Zeit haben die grauen Eichhörnchen die roten aus vielen Revieren vertrieben. Dazu kommt: die grauen haben aus ihrer Heimat die Krankheit „Pocken“ mitgebracht. Davon werden die grauen nicht krank, die roten aber schon. Das alles hat dazu geführt, dass es in Großbritannien heute nur noch sehr wenige rote Eichhörnchen gibt. Deswegen wird mittlerweile Jagd auf die grauen gemacht. Schuld sind aber eigentlich die Menschen, die sie auf ihren Schiffen mitgebracht haben.

 

WaschbärWaschbär

Auch der Waschbär kommt ursprünglich aus Nordamerika. Vor knapp hundert Jahren hat ein Förster in Hessen zwei Waschbär-Pärchen ausgesetzt. Weil er sie so süß fand. Außerdem konnten während des Zweiten Weltkrieges mehrere Waschbären aus einer Pelz-Farm in der Nähe von Berlin fliehen. Heute gibt es fast überall in Deutschland Waschbären. Die Tiere leben fast problemlos neben den einheimischen Tieren. Zwar gibt es in der Stadt Kassel immer mal wieder Stress zwischen Menschen und Waschbären, wenn die Tiere zum Beispiel viele Mülleimer nach Nahrung durchwühlen. Außerdem knabbert der Waschbär gerne an der europäischen Sumpfschildkröte – einer ganz seltenen Art. Mit Füchsen oder Baummardern hat der Waschbär sich aber eigentlich gut arrangiert.

 

 

KINA - Tussi fehlt - Wenn man sein Haustier einschläfern lassen mussHauskatze

Die Länder Australien und Neuseeland waren über lange Zeit ganz vom Rest der Welt isoliert. Es war einfach schwer, über den Ozean zu gelangen. In dieser Zeit entwickelten sich dort ganz besondere Tier-Arten. Weil es in Neuseeland zum Beispiel keine großen Raubtiere gab, leben viele Tiere und Vögel am Boden. So auch der Kiwi, das Nationaltier von Neuseeland. Vor ungefähr 350 Jahren besiedelten aber die ersten Europäer Neuseeland. Sie brachten Hauskatzen mit – denn die sorgten zu Hause in Europa dafür, dass sich die Mäuse in den Häusern nicht so breit machten. Für die Katzen waren die Vögel, die am Boden lebten und nicht fliegen konnten, natürlich leichte Beute. Die Katzen sind unter anderem Schuld daran, dass es nicht mehr so viele Kiwis gibt. Die Nachbarinsel Australien hat übrigens große Probleme mit Kaninchen. Die sind auch mit Siedlern dorthin gekommen. Weil die Kaninchen keine natürlichen Feinde in Australien hatten, konnten sie sich sehr schnell vermehren. Obwohl die Menschen auf verschiedene Weise versucht haben, die Kaninchen einzudämmen, gibt es in Australien immer noch wahnsinnig viele davon.

 

Mildes Wetter lockt Marienkäfer herausMarienkäfer

Asiatische Marienkäfer haben einen sehr großen Appetit. Sie fressen viel mehr Blattläuse als unsere Europäischen Marienkäfer. Genau aus diesem Grund sind sie auch von Gärtnern nach Deutschland geholt worden: Damit sie in Gewächshäusern die Blattläuse von den Pflanzen fressen. Natürlich sind dabei einige Käfer in die Freiheit entkommen. Und die fühlen sich seitdem sehr wohl hier und vermehren sich unheimlich schnell. Sie bekommen nämlich öfter Nachwuchs als unsere Marienkäfer. Deshalb fürchten Wissenschaftler, dass sie unsere Marienkäfer bald verdrängen werden. Noch dazu übertragen sie eine Krankheit, an der sie selbst nicht erkranken können, die unsere heimischen Käfer aber töten kann. Wenn du im Frühling den ersten Marienkäfer siehst, solltest du mal ganz genau hinschauen: Trägt er oben auf dem Hals ein Zeichen, das aussieht wie ein weißes „M“ handelt es sich um einen Asiatischen Marienkäfer. Nicht jeder Asiatische Käfer hat ein solches Zeichen. Es ist daher nicht einfach, einen Asiatischen Marienkäfer zu erkennen. Er kann orange, rote oder sogar schwarze Flügeldecken haben und 0 bis 19 Punkte. Die meisten heimischen Käfer haben nicht mehr als sieben Punkte. Siehst du einen Käfer mit sehr vielen Punkten, hast du wahrscheinlich ebenfalls einen „Harlekinkäfer“ entdeckt, wie die Einwanderer auch genannt werden.

Von Angela Sommersberg und Jasmin Krsteski

Noch viel mehr Tiere: Unser Tier ABC

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