So kam die Kartoffel nach Deutschland

Heute sind Kartoffeln überall auf der Welt beliebt. Vor rund 400 Jahren war das aber nicht so. (Foto: dpa)
Heute sind Kartoffeln überall auf der Welt beliebt. Vor rund 400 Jahren war das aber nicht so. (Foto: dpa)

Pommes mit Ketchup, Kartoffelsalat mit Würstchen Kartoffelpuffer: Viele Leute haben ein Lieblingsgericht, für das man eine ganz bestimmte Pflanze braucht. Vor etwa vierhundert Jahren kam die Kartoffel zu uns. Angeblich hat sogar ein König dabei geholfen, dass sie heute jeder kennt.

Da steht ein König auf dem Acker, mit einem langen Mantel, blanken Stiefeln und Uniform. Vor ihm verbeugt sich ein Bauer. Er hält dem König etwas entgegen. Es sind Kartoffeln.

Friedrich der Große warb für die Kartoffel

Der König auf dem Bild soll sich sehr für die Kartoffel eingesetzt haben: Friedrich der Große. (Foto: dpa)

Der König auf dem Bild soll sich sehr für die Kartoffel eingesetzt haben: Friedrich der Große. (Foto: dpa)

Dieses Bild hängt in einem Museum im Bundesland Bayern, genauer gesagt im Kartoffel-Museum. Dort dreht sich alles um die Geschichte der kleinen Knollen.

Der König auf dem Bild ist Friedrich der Große. Er war der König von Preußen und herrschte vor über 250 Jahren. Preußen war ein großes Reich, zu dem auch ein Teil des heutigen Deutschlands zählte. Viele Leute glauben, dass es Friedrich dem Großen zu verdanken ist, dass wir heute Kartoffeln kennen. Das kam wohl so:

Schon die Vorfahren des Königs sollen sich für die Kartoffel stark gemacht und sie in ihr Reich gebracht haben. Friedrich der Große machte sich dann daran, bei seinen Untertanen für die Kartoffel zu werben. Er war davon überzeugt, dass die Knollen bei einem großen Problem helfen könnten: Damals gab es nämlich oft Hungersnöte. Mit der Kartoffel sollte sich das ändern. „Kartoffeln wachsen auch dort, wo der Boden nicht so gut ist“, sagt Barbara Kosler. Sie leitet das Kartoffel-Museum in München.

Bauern sollten Kartoffeln anbauen

Doch für die Bauern damals waren Kartoffeln noch ganz neu. Sie bauten lieber Getreide an. Friedrich der Große versuchte also, zuerst Werbung für die Kartoffel zu machen. Als das nichts brachte, gab er den „Kartoffelbefehl“. Damit wollte er die Bauern zwingen, Kartoffeln anzubauen. Er gab gleich mehrere Kartoffelbefehle im Laufe der Jahre. Doch die Bauern waren immer noch nicht ganz überzeugt.

Die wertvolle Kartoffel

Angeblich hatte sich der König auch einen Trick überlegt: Er ließ seine Soldaten Kartoffelfelder anlegen. Diese Felder wurden dann schwer bewacht. Die Bauern sollten denken, dass Kartoffeln sehr wertvoll sind.

Das machte die Menschen neugierig: Nachts schlichen sie sich heimlich auf die Felder und klauten einige Kartoffelpflanzen. Die Soldaten sollten so tun, als würden sie den Diebstahl nicht bemerken. Denn das war ja genau das, was der König wollte. Nämlich, dass die Menschen neugierig auf die Kartoffel werden und sie probieren.

Wer hat sich den Trick ausgedacht?

Auch wenn die Geschichte mit der List des Königs clever klingt – Fachleute sagen heute, dass es nicht der König war, der sich den Trick ausgedacht hat.

Auf jeden Fall dauerte es noch eine Weile, bis die Kartoffel sich durchsetzte – und die Leute merkten, dass sie ziemlich gut schmeckt.

Von dpa

KINA - Viel mehr als hübsche BlütenRohe Kartoffeln? Gehen gar nicht!

Eine rohe Kartoffel essen? Lieber nicht. Schließlich weiß jeder, dass man Kartoffeln kochen muss, bevor man sie isst. Vor vierhundert Jahren war das anders. Damals brachten Seefahrer die Kartoffeln nach Europa.

Weil die Menschen die neuartige Pflanze noch nicht kannten, ging das erste Kennenlernen mit der Kartoffel bei einigen Leuten gründlich schief. Sie probierten die grünen Früchte, die über der Erde an den Pflanzen wachsen – und nicht die Wurzelknollen!

Die Früchte sehen ein bisschen aus wie unreife Tomaten. Davon bekamen die Menschen aber üble Bauchschmerzen und Durchfall. Was sie nicht wussten: Alles, was bei Kartoffelpflanzen grün ist, enthält einen giftigen Stoff. Er heißt Solanin und steckt in allem, was an Kartoffeln grün ist. Also in Blättern, den Früchten oder in den langen Trieben.

Auch die Leute, die die Knollen anfangs probierten, waren wohl nicht so begeistert. Kein Wunder. Denn ungekocht und ungewürzt sind Kartoffeln wirklich nicht sehr lecker.

Von dpa