Kurz erklärt: Warum glaubten Menschen an Hexen?

Die Silhouette einer «Hexe» vor einem Feuer, aufgenommen während der Walpurgisnacht. (Foto: dpa)
An zahlreichen Orten im Harz wird mit Musik, Umzügen und Festen Walpurgis gefeiert. (Foto: dpa)

In der Walpurgisnacht verkleiden sich viele Menschen als Hexen und feiern. Heute ist das ein großer Spaß. Es gab aber auch eine Zeit, da wollte man mit Hexen überhaupt nichts zu tun haben.

Als Hexen kostümierte Frauen feiern am 30.04.2017 bei der Walpurgisfeier in Bad Grund (Niedersachsen). (Foto: dpa)

Für eine Nacht Hexe – heute ist die Walpurgisnacht im Harz ein Fest, der viele Besucher anzieht. (Foto: dpa)

Sie tragen schwarze Klamotten und haben einen spitzen Hut auf. Ihre Nasen sind groß und krumm. Und durch die Luft düsen sie auf einem Besenstiel.

So stellt man sich in etwa eine Hexe vor, oder? Glaubt man den Geschichten, dann treffen sich die Hexen in der Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai. In dieser Nacht sollen sie sich auf dem Blocksberg – also auf dem Brocken im Harz – versammeln und ein wildes Fest feiern.

Angst vor Hexen

Natürlich gibt es Hexen nicht wirklich. Das wissen die meisten Menschen heutzutage. Doch vor mehreren Hundert Jahren sah das noch anders aus. Damals wurden Menschen sogar wegen Hexerei angeklagt! „Man glaubte, sie hätten sich bewusst von Gott abgewendet und einen Pakt mit dem Teufel geschlossen“, erklärt der Fachmann Thomas Becker. Man glaubte auch, der Teufel hätte den Hexen eine besondere Gabe verliehen und deshalb könnten sie durch die Luft fliegen.

Viele Tausend Menschen verloren durch die Hexenverfolgung ihr Leben. Die meisten Opfer waren Frauen. Aber auch Männer wurden als Hexen angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Warum es zu dieser massenhaften Verfolgung kam, darüber rätseln die Forscher. Denn das Ganze ist gar nicht so einfach zu erklären.

Hexenverfolgungen nicht nur im Mittelalter

In der Walpurgisnacht sollen sich Hexen auf dem Blocksberg versammelt haben. In der Nacht zum 1. Mai spielen Leute das gerne nach. (Foto: dpa)

Auch wenn das Feuer einst für grausame Urteile stand, ist es heute ein Spaß, der zur Hexennacht in vielen Orten dazugehört. (Foto: dpa)

Viele Leute glauben zum Beispiel, die Hexenverfolgung sei ein Problem des Mittelalters gewesen. Das stimmt so nicht ganz. „Es gab zwar auch im Mittelalter einzelne Hexenprozesse. Aber die großen Hexenverfolgungen kamen erst später“, sagt Thomas Becker. Besonders schlimm war es zum Beispiel im Jahr 1628. Man sagt auch, das war ein Jahr ohne Sommer.

„Es gab damals große Klimaveränderungen. Es war kalt, die Ernte war schlecht, es kam zu Überschwemmungen und die Menschen litten Hunger“, erklärt der Fachmann. In diesem Jahr wurden besonders viele Menschen als Hexen verfolgt. „Man brauchte wohl eine Art Sündenbock“, sagt Thomas Becker. Also jemanden, den man für die schlimme Lage verantwortlich machen konnte.

Auch außerhalb der Kirche verurteilt

Oft heißt es auch, die Hexenverfolgung habe etwas mit dem Glauben zu tun. Hexen seien nur von der katholischen Kirche verfolgt worden. Aber das stimmt so nicht. Es passierte auch in Ländern, in denen die Leute evangelisch waren. Oft wurden die Hexen auch gar nicht von der Kirche verurteilt, sondern von einem normalen Gericht.

Häufig wurden Leute als Hexe bezeichnet und angeklagt, wenn jemand ihnen etwas Schlechtes wollte. Zum Beispiel aus Neid. Oder man wollte so lästige Feinde aus dem Weg schaffen. Es konnte also jeder zur Hexe werden! Damals hätte sich niemand freiwillig als Hexe bezeichnet. Heute ist das in den meisten Teilen der Welt anders. Bei uns finden es sogar viele Leute toll, sich zum Beispiel als Hexe zu verkleiden. Auch in vielen Filmen und Büchern kommen Hexen vor.

Von dpa

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