Happy Birthday – Das Bauhaus wird 100

Happy Birthday – Das Bauhaus wird 100
Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa

Vielleicht hast du es schon gehört: Das Bauhaus wird 100 Jahre alt. Nein, nein, nicht die Baumarkt-Kette, wo man Schrauben, Holz und Tapeten kaufen kann. Die Rede ist von der Kunstrichtung, die in den 1920er Jahren entstanden ist und vieles verändert hat.


Der Architekt Walter Gropius. Foto: Joachim Barfknecht/dpa

Wie entstand das Bauhaus?

Vor mehr als 100 Jahren wohnten die Leute in Wohnungen mit verschnörkelten Decken, schweren Teppichen, Holzmöbeln mit geschwungenen Lehnen und gemusterter Tapete. Alles war prachtvoll und verziert. Aber eben nur, wenn man reich war. Dem Architekt Walter Gropius (rundes Bild) und anderen Künstlern gefiel das nicht. Deshalb gründete Walter Gropius im Jahr 1919 in der Stadt Weimar eine neue Kunstschule, das „Staatliche Bauhaus in Weimar“. Die Idee: Gebäude, Möbel und Gegenstände sollten vor allem praktisch sein. Das Motto lautete: Die Form folgt der Funktion. Trotzdem sollte es schön aussehen.

Wie funktionierte die Schule?

Um dieses Ziel zu erreichen, saßen die Schüler nicht nur in Kursen und diskutierten – sie arbeiteten auch praktisch. Es gab zum Beispiel Werkstätten für Metall, Weberei, Tischlerei oder Keramik. Die Kurse leitete ein Künstler zusammen mit einem Handwerker. Die Ausbildung dauerte mehrere Jahre. Wer gut abschloss, konnte sich danach noch zum Architekt ausbilden lassen. An der Schule konnte sich jeder bewerben. Auch viele Frauen lernten hier – das war außergewöhnlich, weil Frauen damals noch nicht so häufig studierten.

Berlin, „Weißen Stadt“. Weiß gestrichene, kubische Bauten dienten Architekten der Moderne als Symbol von Klarheit. Sie ist heute UNESCO-Welterbe. Die Bauhaus-Architekten Bruno Ahrends, Wilhelm Büning und Otto Rudolf Salvisberg schufen hier 1286 Wohnungen. Foto: Manfred Krause/dpa-zentrabild/dpa

Was wurde erfunden?

Für viele alltägliche Gegenstände dachten die Schüler sich neue Formen aus. So wurde aus einer verschnörkelten Porzellan-Teekanne eine schlichte aus Glas mit klaren Formen. Eine der bekanntesten Erfindungen war ein Stuhl, der sogenannte Freischwinger (siehe Foto oben): Dieser Stuhl besteht aus einer Rohrkonstruktion und hat keine Hinterbeine. Die Sitzfläche schwingt , wenn man sich darauf setzt. Doch die Studenten entwickelten diese Gegenstände nicht nur für das Studium – sondern für die Gesellschaft. Walter Gropius sorgte nämlich dafür, dass Unternehmen die neuen Gegenstände in großer Menge produzierten. So konnten sich diese auch Menschen mit weniger Geld leisten. Auch die Architekten veränderten einiges: Häuser wurden nun mit flachen Dächern und großen Fenstern gebaut.

Wie kamen die Neuheiten an?

Die Menschen damals fanden die Bauhaus-Ideen entweder richtig toll oder total hässlich. Bei einigen Politikern kamen sie nicht gut an. So unterstützte das Bundesland Thüringen, wo Weimar liegt, das Bauhaus nach einigen Jahren nicht mehr. Deswegen zog Walter Gropius mit seiner Kunstschule kurzerhand in das benachbarte Bundesland Sachsen-Anhalt in die Stadt Dessau um. Nachdem die Nationalsozialisten 1933 die Macht in Deutschland übernommen hatten, schlossen sie die Schule. Viele Bauhaus-Absolventen und auch Walter Gropius gingen ins Ausland. Die Bauhaus-Ideen nahmen sie mit – und entwickelten sie weiter. Noch heute ist der Bauhaus-Stil wichtig für Bau und Einrichtung von Häusern.

Doch nicht so neu

Walter Gropius war übrigens nicht der erste, der auf die Idee kam, Künstler und Handwerker zusammenarbeiten zu lassen. Das gab es schon im Mittelalter! Und zwar vor allem in den Bauhütten der großen Kirchen. Dort arbeiteten Architekten, Bildhauer und Steinmetze eng zusammen. Das tun sie manchmal heute noch – sogar direkt vor deiner Haustür. Nämlich in der Kölner Dombauhütte.

Von Angela Sommersberg