Was ist ein Tagebau?

Was ist ein Tagebau?
Der Tagebau Garzweiler mit dem Kraftwerk im Hintergrund. Foto: dpa

Bist du schon mal im Liblarer See in Erftstadt geschwommen? Wusstest du, dass unter dem Wasser früher ein riesiges Loch war, in dem Bagger gearbeitet haben? Der Liblarer See ist nämlich ein ehemaliges Braunkohle-Loch. Ihn gibt es erst seit etwa 50 Jahren. Aber was bedeutet das? Was ist ein Tagebau? Und warum protestieren zurzeit Leute gegen den Braunkohleabbau im Rheinland?

Was ist Braunkohle?

Wenn du einen Kamin zu Hause hast, kennst du das: Wenn das Holz verbrennt, wird es warm. Es wird also Energie frei. Braunkohle ist so etwas wie sehr, sehr fest zusammengedrücktes Holz: Wenn man sie verbrennt, entsteht Energie. Aber eben viel mehr als bei einem Stück Holz, weil die Braunkohle so fest gepresst ist. Vielleicht hast du auch schon mal von der Steinkohle gehört. Sie ist noch viel fester zusammengepresst als Braunkohle – und enthält deswegen noch mehr Energie.

Wie entsteht Braunkohle?

Ein Stück frisch ausgebuddelte Braunkohle (Foto: dpa)

Früher gab es bei uns im Rheinland riesige Wälder mit großen Farnen und hohen Bäumen. Doch genau wie heute sind die Pflanzen auch damals schon nach einer gewissen Zeit gestorben und auf dem Waldboden gefallen. Wenn immer mehr tote Pflanzen dazukamen und es dann noch Überschwemmungen gab, wurde dieses Material zusammengedrückt. Über Millionen von Jahren ist so die Braunkohle entstanden. Man kann also sagen, dass Braunkohle zusammengedrückte alte Pflanzenreste sind. Und je länger diese Pflanzenreste tief in der Erde lagen, desto fester wurden sie. Braunkohle gibt es überall dort, wo Wälder versunken sind. Das ist bei uns im Rheinland so, aber auch in Teilen von Ostdeutschland. Und auch an anderen Orten auf der Welt gibt es das.

Was ist ein Tagebau?

Blick auf braune Erde: Bagger durchwühlen auf der Suche nach Braunkohle den Boden. (Foto: dpa)

Vor etwas mehr als 300 Jahren entdeckten Menschen beim Graben Braunkohle – und stellten fest, dass man sie verbrennen kann, wenn sie getrocknet ist. Mit der Zeit entwickelten die Menschen immer bessere Verfahren, um die Braunkohle aus dem Boden zu fördern. In ganz Deutschland wurde auf mehr als 2300 Quadratkilometern nach Braunkohle gebaggert. Stell dir mal vor: Das ist fast die gleiche Fläche wie das Bundesland Saarland hat. Auch die Maschinen wurden immer leistungsfähiger und die Bagger größer und größer.

Wie gewinnt man Energie?

Mit den schwarzen Briketts feuern manche noch heute ihre Öfen zuhause. Im Bild: eine Brikettfabrik. (Foto: dpa)

Lange Zeit wurden aus der Braunkohle sogenannte Briketts hergestellt. Die schwarzen Blöcke schmiss man in den Ofen und heizte so die Häuser. Doch in den vergangenen 50 Jahren bekamen immer mehr Häuser Heizungen, die mit Gas, Öl oder anderen Techniken funktionieren. Die Leute brauchten keine Briketts mehr. Heute wird die Braunkohle aber weiterhin gefördert und in riesigen Kraftwerken verbrannt. Die Energie, die dabei entsteht, wird in einem komplizierten Verfahren in Strom umgewandelt. Strom, den wir benutzen, um das Licht einzuschalten, unsere Handys aufzuladen oder den Wasserkocher anzumachen.

Warum die Aufregung?

Kohlekraftwerke blasen bei der Energiegewinnung Schadstoffe in die Luft. (Foto: dpa)

Regelmäßig demonstrieren Menschen gegen den Braunkohle-Abbau. (Foto: dpa)

Es gibt zwei Gründe, warum die Menschen sich aufregen. Erstens: Wenn die Braunkohle verbrannt wird, wird nicht nur Energie frei, sondern auch andere giftige Stoffe und Kohlenstoffdioxid. Wenn davon zu viel in der Luft ist, kann das dafür sorgen, dass es auf der Erde wärmer wird. Und das hat viele schlechte Folgen. Die Kritiker sagen: Heute kann man Strom auch durch Windräder oder Solaranlagen gewinnen – und das ist viel besser für die Umwelt. Sie wollen, dass Strom nur noch so entsteht. Zurzeit reicht dieser Strom aber noch nicht.

Und die Umwelt?

Früher wurde hier nach Kohle gebaggert. Jetzt können in diesem Baggersee in Süddeutschland Menschen schwimmen. (Foto: dpa)

Der zweite Grund ist: Da, wo heute die gigantischen Baggerlöcher sind, war ja vorher auch schon etwas: alte Wälder, Felder oder Dörfer. Viele Wälder wurden für den Braunkohleabbau abgeholzt und den Tieren, die dort lebten, wurde das Zuhause genommen. Viele Dörfer wurden abgerissen – stattdessen wurden an anderen Orten neue Häuser für die Menschen gebaut. Die Firmen, die die Braunkohle abbauen, helfen den Menschen dabei. Und sie versuchen auch, aus den alten Tagebau-Löchern wieder schöne Natur zu machen. Zum Beispiel Badeseen wie den Liblarer See. Trotzdem: Ein neu angepflanzter Wald ist nicht dasselbe wie ein 200 Jahre alter Wald, in dem viele verschiedene Tiere gelebt haben. Deswegen protestieren manche Menschen gegen den Braunkohleabbau.


(Fotos: dpa)

Von Angela Sommersberg