Neuwahlen in Großbritannien

Neuwahlen in Großbritannien
May war lange Innenministerin, jetzt hat sie den wichtigsten Posten in der britischen Politik überhaupt: Premierministerin (Foto: dpa)

Die Politiker im britischen Parlament haben sich entschieden: Sie wollen am 8. Juni das Unterhaus neu wählen lassen. Das ist früher als geplant. Eigentlich hätte die Wahl erst im Jahr 2010 stattfinden sollen.

Was ist das Unterhaus?

Das britische Parlament besteht aus zwei Teilen, man nennt sie auch „Kammern“. Das Unterhaus  heißt „House of Commons“. Dort sitzen 650 Politiker. Sie werden von den Menschen in Großbritannien gewählt und machen die Gesetze. Das Oberhaus und die Königin haben in der aktuellen Politik nicht mehr so viel zu sagen. Das war früher anders. Heute ist das Unterhaus am wichtigsten.

Was hat der Brexit damit zu tun?

Das hat vor allem mit einer Entscheidung zu tun, die das britische Volk in einer Wahl im letzten Jahr getroffen hat: Sie stimmten dafür, dass ihr Land die Europäische Union (abgekürzt: EU) verlässt. Stell dir die EU vor wie eine große Wohngemeinschaft, in der verschiedene Länder miteinander leben und bestimmte Dinge (aber nicht alles) miteinander teilen. In dem Staatenverbund sind zurzeit noch 28 europäische Länder. Nach dem Austritt Großbritanniens werden es nur noch 27 sein. Den Austritt der Briten nennt  man auch BREXIT – eine Kombination aus Britain (also dem englischen Wort für Großbritannien) und Exit (das bedeutet Ausgang).

Die britische Premierministerin Theresa May ist für den Brexit. Und sie möchte ihn so schnell wie möglich. Dafür muss sie aber in den  nächsten Monaten hart mit der EU verhandeln. Denn die EU will den Briten den Austritt so schwer wie möglich machen. Sie will zeigen: Ohne die Staaten-WG ist es für einzige Länder ganz schön schwer, ihre Bürger zufrieden zu stellen und Handel zu treiben.

Was hat Theresa May von den Neuwahlen?

Das Unterhaus ist im Moment geteilt: Dort sitzen zum Beispiel 330 Politiker aus der konservativen Partei, zu der auch Theresa May gehört. Aber auch ihre politischen Gegner, die Labour-Partei, hat 229 Politiker dort, die bei Abstimmungen mitentscheiden dürfen. Dazu kommen noch kleinere Gruppen aus anderen Parteien. Theresa Mays Partei ist also gar nicht so viel stärker als die anderen, wenn die sich zusammenschließen. Weil sich die Mitglieder, die zur selben Partei gehören, bei Abstimmungen vorher oft absprechen, gehen die Ergebnisse dort oft knapp aus.

Das möchte Theresa May bei den Brexit-Verhandlungen vermeiden. Sonst könnte der Eindruck entstehen: Nicht das ganze Volk steht hinter mir und dem Brexit. Deswegen will May schon jetzt neu wählen: Sie hofft darauf, dass die konservative Partei mehr Stimmen bekommt als bei der vergangenen Wahl – und damit auch mehr Sitze im Unterhaus und mehr Macht bei Verhandlungen.

Von ann

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