Lucia bringt das Licht 

Lucia bringt das Licht 
Hilja und der Weihnachtszauber. Illustration: Nadja Sarell

Als Hilja aus der Schule kommt, ist sie sauer: Sie darf nicht die Lucia spielen – und das nur, weil sie dunkle Haare hat! Diese Szene beschreibt Heidi Viherjuuri in ihrem Buch „Hilja und der Weihnachtszauber“.

Autorin Heidi Viherjuuri. Foto: Florian Jung

Die Autorin ist in Finnland geboren, lebt aber seit zehn Jahren in Köln. Wir haben uns mit ihr über die Weihnachtszeit in Skandinavien unterhalten. Dort feiern die Menschen nämlich etwas anders als wir, zum Beispiel das Lucia-Fest am kommenden Sonntag – es findet immer am 13. Dezember statt.

Wer war diese Lucia?

Lucia war eigentlich Italienerin – und Christin. Sie lebte um das Jahr 300 nach Christus auf Sizilien und wurde für ihren Glauben getötet. Am 13. Dezember denken katholische Christen deswegen an Lucia. Die Menschen in Schweden wiederum glaubten früher an eine Hexe namens Lussi, die im Winter spukte. Zum Schutz vor der bösen Hexe stellten die Menschen viele Kerzen im Haus auf. Experten vermuten, dass sich die Geschichten von Lucia und Lussi irgendwann vermischt haben – auch, weil die beiden Namen so ähnlich sind. Seit ungefähr hundert Jahren feiern die Menschen in Schweden das Lucia-Fest in der Art, wie sie es noch heute tun.

Hilja und der Weihnachtszauber. Illustration: Nadja Sarell

Wie wird denn gefeiert?

„In jeder Schule wird ein Mädchen ausgewählt, das die Lucia sein darf. Oft ist das ein Mädchen aus dem Chor“, erklärt Heidi Viherjuuri. Die Lucia trägt einen Kranz aus Kerzen in ihrem Haar. Früher waren es echte Kerzen, aber weil das ziemlich gefährlich ist, sind sie heute meist elektrisch. Die Lucia zieht dann durch ihre Schule und wird von anderen Mädchen und Jungen begleitet. Alle tragen weiße Gewänder und singen Weihnachtslieder, es gibt sogar ein besonderes Lucia-Lied. „Als ich zur Schule gegangen bin, wurde in Finnland aber noch nicht Lucia gefeiert“, erzählt Heidi Viherjuuri. Sie ist 38 Jahre alt. Die Lucia-Feier haben die Finnen sich erst in den letzten Jahren von den Schweden, die in Finnland leben, abgeguckt. Mittlerweile wird das Fest aber in den meisten Ländern in Skandinavien gefeiert.

Hilja und der Weihnachtszauber. Illustration: Nadja Sarell

Warum wird gefeiert?

„Lucia ist die Lichtbringerin“, sagt Heidi Viherjuuri. Bei dem Fest wird gefeiert, dass die Tage bald wieder länger werden. Denn: In Skandinavien ist es im Winter ganz schön dunkel! „Im Süden von Finnland, wo ich aufgewachsen bin, geht zurzeit die Sonne morgens um 10 Uhr auf und nachmittags gegen 15 Uhr wieder unter. Deswegen ist es schön, ein Lichterfest zu feiern“, findet die Autorin. Auch ihre Buchfigur Hilja darf schließlich noch Lucia feiern. Aber was hat es mit den Haaren auf sich? „Früher war es oft so, dass vor allem die Mädchen mit blonden Haaren die Lucia spielen durften“, weiß Heidi Viherjuuri. „Die Leute dachten wohl, dass helle Haare besser zur Lichtbringerin passen würden. Heute ist das aber nicht mehr so.“ Auch die dunkelhaarige Hilja und ihre kleine Schwester legen schließlich fest: Es ist doch egal, wie man aussieht!

Wie wird sonst in Finnland gefeiert?

Doch Hilja und ihre Familie erleben nicht nur Lucia. In dem Buch von Heidi Viherjuuri begleitest du Hilja den ganzen Advent über – und lernst dabei viel darüber, wie man in Finnland Weihnachten feiert. „Der Weihnachtsmann bringt die Geschenke. Schließlich wohnt er ja sogar in Rovaniemi!“, sagt Heidi Viherjuuri. Das ist eine Stadt im Norden von Finnland. Dort gibt es auch ein großes Postamt, wo Kinder aus der ganzen Welt ihre Wunschzettel hinschicken können. An Heiligabend um 12 Uhr wird in Finnland dann der „Weihnachtsfrieden“ ausgerufen. „Der soll die Leute daran erinnern, sich während der Feiertage gut zu benehmen“, sagt Heidi Viherjuuri und lacht. Na, ob das ihrer frechen Heldin Hilja gelingen wird?

Von Angela Sommersberg

Cover von “Hilja und der Weihnachtszauber” von Heidi Viherjuuri. Illustration: Nadja Sarell

Das Buch:

Heidi Viherjuuri und Nadja Sarell: „Hilja und der Weihnachtszauber“, Woow-Books, 144 Seiten, 10 Euro, ab 6 Jahren