Louis Braille erfand das ABC für Blinde

Louis Braille erfand das ABC für Blinde
Diese Schrift können blinde Menschen lesen. (Foto: dpa)

Was steht auf dem Schild? Für blinde Menschen ist es nicht immer leicht, sich im Alltag zurechtzufinden. Aber es gibt eine spezielle Schrift für sie. Erfunden wurde sie von dem Franzosen Louis Braille. Als er sie fertig ausgetüftelt hatte, war er gerade 16 Jahre alt.

Kleine Pünktchen sind auf dem Papier angeordnet. Sie ragen etwas hervor. Wenn man mit den Fingerspitzen darüberfährt, kann man jeden einzelnen Punkt fühlen. Solche Punkte hast du vielleicht schon einmal auf einem Schild im Museum gesehen. Die Punkte sind für blinde Menschen. Sie bilden eine Schrift, die man mit den Fingern lesen kann.

 Louis Braille erblindete im Alter von drei Jahren - später entwickelte er die bekannte Blinden-Schrift. (Foto: dpa)

Louis Braille erblindete im Alter von drei Jahren – später entwickelte er die bekannte Blinden-Schrift. (Foto: dpa)

Erfunden wurde die Blindenschrift von Louis Braille. Er wurde vor rund 200 Jahren in Frankreich geboren. Louis‘ Vater arbeitete als Sattler: Er verarbeitete Leder und stellte daraus etwa das Zaumzeug oder den Sattel für Pferde her.

Als Louis drei Jahre alt war, spielte er einmal in der Werkstatt seines Vaters. Dabei passierte ein schlimmer Unfall. Der Junge verletzte sich am rechten Auge und war von da an auf diesem Auge blind. Dann entzündete sich auch noch das linke Auge und Louis konnte gar nicht mehr sehen.

Anfangs ging Louis auf die Dorfschule. Weil er sehr begabt war, schickten ihn seine Eltern bald auf eine spezielle Blindenschule nach Paris. Da war er gerade einmal zehn Jahre alt. Auf der Blindenschule bekam er Unterricht in Musik, Handwerk, Mathematik und Sprachen. Auch Lesen und Schreiben sollten die Schüler dort lernen. Allerdings gab es noch keine Schrift, die für Blinde gut zu lesen war.

Zu dieser Zeit gab es bereits verschiedene Texte für Blinde. In manchen Büchern war die Schrift so eingeprägt, dass man sie ertasten konnte. Oder es gab Metallplatten, in die Schrift eingraviert wurde. „Die normalen Buchstaben sind aber zu kompliziert, um sie schnell ertasten zu können“, sagt ein Fachmann für Blindenschrift.

Louis Braille störte es damals sehr, dass es keine gute Schrift für Blinde gab. Eines Tages lernte er an der Blindenschule einen Militär-Hauptmann kennen. Dieser hatte eine fühlbare Schrift entwickelt, in der zwölf Punkte unterschiedlich angeordnet wurden.

Die Schrift war eigentlich für Soldaten gedacht, die sich in der Dunkelheit Nachrichten übermitteln wollten. Louis Braille entwickelte die Schrift des Hauptmanns weiter. Damit konnten Blinde gut und schnell lesen.

Louis Braille entwickelte auch eine Blindenschrift für Noten. (Foto: dpa)

Louis Braille entwickelte auch eine Blindenschrift für Noten. (Foto: dpa)

Nachdem er die Blindenschrift entwickelt hatte, arbeitete Louis Braille an einer Notenschrift für Blinde. Er liebte Musik und war selbst ein sehr guter Orgelspieler. Die Notenschrift sieht ganz ähnlich aus wie die Brailleschrift für Sprache. Ein Notenzeichen besteht aus insgesamt sechs Punkten: Die oberen vier Punkte geben an, um welchen Ton es sich handelt. Die unteren beiden Punkte zeigen dem Musiker, wie lange er die Note spielen soll.

Louis Brailles Punktschrift und auch die Notenschrift verbreitete sich auf der ganzen Welt. Die Blindenschrift nennt man heute auch Brailleschrift.

 

KINA - Sechs Punkte für ein ganzes AlphabetSo funktioniert die Blindenschrift

Unser Alphabet besteht aus 26 Buchstaben. In der Brailleschrift werden gerade einmal sechs Punkte benötigt, um diese Buchstaben darzustellen. So funktioniert die Blinden-Schrift:

PUNKTE: Die Punkte in der Blinden-Schrift sind ähnlich angeordnet wie sechs Eier in einem Eierkarton. Links oben steht Punkt eins, darunter Punkt zwei, darunter Punkt drei. In einer zweiten Spalte rechts daneben steht Punkt vier ganz oben, darunter gibt es Punkt fünf und sechs.

BUCHSTABEN: Jede Punktekombination steht für einen anderen Buchstaben. Je nachdem, welche Punkte nach oben hervorragen. Ein einzelner Punkt an Position eins bedeutet zum Beispiel A. Punkt eins zusammen mit Punkt zwei heißt B.

ZAHLEN: Auch Zahlen können mit der Brailleschrift geschrieben werden. Dafür benutzt man zuerst ein spezielles Zeichen. Dann weiß der Blinde: Jetzt kommen Zahlen! Kommt nach diesem Zeichen ein A in Brailleschrift, steht dies dann zum Beispiel für die Zahl 1. Und ein B steht für die Zahl zwei.

 Bei der Brailleschrift gibt es für jeden Buchstaben eine Punktkombination. Klicke auf die Grafik, dann kannst du sie ein bisschen besser sehen. (Foto: dpa)

Bei der Brailleschrift gibt es für jeden Buchstaben eine Punktkombination. Klicke auf die Grafik, dann kannst du sie ein bisschen besser sehen. (Foto: dpa)

 Von dpa