So kämpft ein 13-Jähriger gegen Cybermobbing

Lukas Pohland aus Schwerte wurde selbst gemobbt. Daher entschied er sich zu handeln. (Foto: dpa)
Lukas Pohland aus Schwerte wurde selbst gemobbt. Daher entschied er sich zu handeln. (Foto: dpa)

Lukas Pohland ist erst 13 Jahre alt und hat bereits eine Telefonberatung für Opfer von Cybermobbing gegründet. Das finden Politiker so klasse, dass sie ihn in den NRW-Landtag in Düsseldorf eingeladen haben. Am Dienstag durfte der Realschüler aus Schwerte dort erklären, was Cybermobbing für Jugendliche bedeutet und wie man es bekämpfen kann. 

Was ist Cybermobbing?

Unter Cybermobbing leiden viele Kinder und Jugendliche. Die Kölner Psychologin Catarina Katzer, die auch zu der Sitzung im Landtag eingeladen war, meint, dass ungefähr 1,5 Millionen Kinder in Deutschland über das Internet gemobbt werden. Sie werden beleidigt und beschimpft. Ihre Geheimnisse werden verraten oder Lügen über sie erzählt.

Lukas sagt, dass das über Facebook, Whatsapp, Instagram, Snapchat oder SMS passieren kann. Vor einem Jahr wurde er selbst zum Opfer von Gemeinheiten. Das kam so: Eine Mitschülerin wurde in einer Whatsapp-Gruppe beschimpft und beleidigt. Er merkte, wie sehr sie darunter litt und wollte helfen. Daraufhin fingen die anderen Schüler an, ihn auch zu mobben. „Die haben Fotos von uns hochgeladen und »Ihr hässlichen Opfer« darunter geschrieben“, erinnert er sich.

Lukas tat das, was man in solchen Fällen tun sollte: Er sprach mit der Schulleitung und dem Schulsozialarbeiter. „Aber geholfen haben die mir nicht“, sagt Lukas. So kam er auf die Idee, eine eigene Cybermobbing-Hilfe am Telefon zu gründen.

Was ist im Landtag passiert?

Die Partei Die Grünen fand Lukas‘ Idee klasse. Deshalb hat sie ihn zusammen mit Wissenschaftlern, Psychologen und Kinderschützern in den Schulausschuss des Landtags eingeladen. Dort wird alles rund um das Thema Schule in NRW besprochen. Gemeinsam mit den erwachsenen Experten hat Lukas die Fragen der Politiker beantwortet.

Sie waren sich einig, dass die Schulen nicht genug gegen das Problem unternehmen. Damit sie das können, müssten sie aber besser ausgestattet sein, meinen die Experten. Die Lehrer müssten mehr Zeit haben und die Schulen mehr Geld. Und jeder, der mit Kindern zu tun hat, muss wissen, was Cybermobbing überhaupt ist.

Zwei Stunden lang haben die Landtagsabgeordneten den Experten zugehört. Die Grünen haben gefordert, dass Lehrer mehr lernen sollen über das Thema und was dagegen getan werden kann. Sie finden: Cybermobbing soll schon an Grundschulen Thema werden. Schließlich haben auch viele Grundschulkinder ein Smartphone. Außerdem sollen Schulen dabei unterstützt werden, Betroffenen zu helfen. Wie es weitergeht, soll vor der Sommerpause entschieden werden.

Wie ging es mit Lukas weiter?

Lukas wird jetzt nicht mehr gemobbt. Die Mitschülerin, der er damals half, hat die Schule gewechselt und die Gemeinheiten im Internet haben aufgehört. Von damals kennt er aber viele Beratungsstellen. Auch Lukas möchte helfen. Deswegen hat er die Hilfe gegründet, die er mit neun anderen Jugendlichen betreibt. Am Telefon geben sie Kindern und Jugendlichen, die dort anrufen, Tipps.

Hast du ein Problem mit Cybermobbing?

So erreichst du die Hotline: Mittwochs, von 15 bis 17 Uhr,
02304/33899915
www.cybermobbing-hilfe.com

VON LARA HUNT

 

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