Luft anhalten für den perfekten Lidstrich

Luft anhalten für den perfekten Lidstrich
Zum gewünschten Make-up im Stil der 1950er Jahre gehört ein knallroter Lippenstift. Foto: Ludmilla Ostermann/dpa

Pinsel, Puder und Lippenstifte sind die Werkzeuge von Claudia Witschaß. Die Make-up-Artistin schminkt Menschen für besondere Momente.

Kundin Zora hat heute einen speziellen Wunsch. Für eine Party möchte sie im Stil der 1950er-Jahre geschminkt werden. „Das bedeutet knallrote Lippen und einen Lidstrich“, erklärt Make-up-Artistin Claudia Witschaß. Ihr Job ist es, Leuten ein schönes Make-up zu verpassen, egal ob für Hochzeiten, Fotoshootings oder Filme.

Claudia Witschaß ist Make-up-Artistin und schminkt Menschen zum Beispiel für Fotoshootings und Hochzeiten. Foto: Ludmilla Ostermann/dpa

Für ihre Arbeit fährt Claudia Witschaß quer durch Deutschland. Dabei hat sie immer ihren großen Make-up-Koffer voller Pinsel und Farben. Der Beruf der Make-up-Artistin ist übrigens kein geschützter Beruf. Das bedeutet, dass sich jeder so nennen darf, auch ohne eine spezielle Ausbildung. Claudia Witschaß hat die Berufe der Kosmetikerin und Maskenbildnerin gelernt. „Die passen gut mit der Arbeit einer Make-up-Artistin zusammen“ sagt sie.

Die Haut strahlt

Bevor Claudia Witschaß Schminke auf Zoras Gesicht aufträgt, cremt sie es erst mit etwas Feuchtigkeitspflege ein. Dann trägt sie eine dünne Schicht Foundation (gesprochen: faundeischen) mit einem Pinsel auf. „Damit können kleine Flecken oder Pickel auf der Haut verschwinden. Die Haut wirkt glatt und strahlt“, erklärt die Expertin. Damit das Make-up länger hält, verteilt sie anschließend Puder über der Foundation.

Im nächsten Schritt schminkt Claudia Witschaß das Augenlid von Zora. Dafür wählt die Fachfrau einen hellen Ton. „Das macht den Look frischer“, erklärt sie. In die Lidfalte darüber kommt ein Braunton. Das Auge wirkt größer und betont.

Manchmal eine Art Kummerkasten

„Jetzt muss ich den Atem anhalten“, kündigt die Make-up-Artistin an. Der Lidstrich wird gezogen. „Da darf ich nicht abrutschen.“ Sie setzt mit dem Stift in der Mitte des Lids an und malt zunächst vorsichtig nach vorn. Erst dann zieht sie ihn in einer Kurve nach hinten weg. Das Ergebnis ist ein perfekter Lidstrich. Wenn Claudia Witschaß für Filmaufnahmen oder Fotos schminkt, muss das Make-up richtig sitzen. „Die Kamera kommt ja ganz nah ran. Da darf es nicht ungenau sein“, sagt sie.

Pinsel, Make-up und viele Farben: Damit arbeitet eine Make-up-Artistin. Foto: Ludmilla Ostermann/dpa

Bei manchen ihrer Aufträge ist Claudia Witschaß auch eine Art Kummerkasten. Wenn jemand traurig oder nervös ist, hört sie zu und beruhigt. „Eine Braut hat einmal ganz viel geweint, weil sie vor der Hochzeit so aufgeregt war. Da habe ich neben dem Schminken auch getröstet.“

Zum Schluss kommt der Lippenstift

Zum Schluss umrandet Claudia Witschaß Zoras Lippen mit einem roten Stift. Dann trägt sie mit einem kleinen Pinsel Lippenstift auf. „Der ist kussecht. Der hält auch essen und trinken aus“, erklärt sie. Zora ist begeistert, als sie sich im Spiegel sieht. „Wow, das sieht toll aus!“, sagt sie. Claudia Witschaß macht das glücklich. Sie findet: „Ich habe den tollsten Beruf der Welt!“

von Ludmilla Ostermann (dpa)