Auf Skiern groß werden

Auf Skiern groß werden
Foto: Elisa Sobkowiak

Janne (14) und Jannis (13). Foto: Elisa Sobkowiak

Wenn der Schultag vorbei ist, dann bringen dich deine Eltern vielleicht noch zum Fußball-Training oder zum Klarinetten-Unterricht. Was aber, wenn dein Hobby Skispringen hieße? Oder Langlauf? Für Janne (14) und Jannis (13) ist das kein Sport, den sie nur bei den Profis vor dem Fernseher verfolgen. Und auch nicht bloß ein Hobby. Sie verbringen einen Großteil ihrer Freizeit auf den zwei schmalen Brettern unter ihren Füßen. Duda hat die beiden bei ihren Trainingsstunden in ihrer Heimat in Willingen begleitet.

Die Mühlenkopfschanze in Willingen. Foto: Elisa Sobkowiak

Leidenschaft liegt in der Familie

Janne feiert dieses Jahr zehn-jähriges Jubiläum. Denn: mit vier Jahren hat er angefangen, fürs Skispringen zu trainieren. Seine Mutter war erstmal nicht begeistert, weil Janne noch so jung war. Aber da Jannes Eltern selbst Skisportler waren, konnten sie die Leidenschaft ihres Sohnes gut verstehen.

In der Regel trainiert Janne vier Mal in der Woche – das geht auch ohne Schnee! In einem Übungsraum, gar nicht weit weg von der großen Mühlenkopfschanze in Willingen, wo jedes Jahr der Skisprung-Weltcup stattfindet, verbessert er Kraft, Sprungkraft, Bauch- und Rückenmuskeln.

In dem Raum ist sogar eine kleine Schanze aufgebaut, von der Janne springen und sich dann in ein Becken mit lauter Schaumstoff fallen lassen kann. Sieht erstmal lustig aus – aber hat er gar keine Angst, wenn er auf der echten, großen Schanze auf seinen Sprung wartet? „Doch, schon. Als ich acht Jahre alt war, habe ich mich noch nicht getraut, mich während des Sprungs nach vorne auf die Ski zu lehnen. Aber das ist super wichtig, damit man auch weit fliegt“, sagt Janne. Bis zu 90 km/h wird er schnell, wenn er auf der Schanze gen Boden saust. Das ist etwa so schnell, wie ein Auto auf einer Landstraße fährt!

Foto: Elisa Sobkowiak

Training auf Skirollern

Um zu Jannis‘ Trainingsort zu kommen, geht es zunächst durch ein kleines Waldstück. Auf einer Lichtung ist eine große, ovale Rennstrecke, die die rund 15 Kinder mit ihren bunten, einer Art von länglichen Inline-Skates umrunden. An ihre Schuhe haben sie sogenannte Skiroller geschnallt, mit denen Jannis und die anderen Kinder der Jugendgruppe auch im Sommer Skilanglauf trainieren können. „Es geht um Ausdauer und Schnelligkeit“, sagt Jannis.

Foto: Elisa Sobkowiak

Er trainiert fünf bis sechs Mal in der Woche, hinzu kommen Wettkämpfe und Trainingsfahrten. „Wenn die Noten stimmen, werden wir dafür auch von der Schule freigestellt“, erzählt er, „da sind viele Mitschüler immer neidisch und denken, wir haben nur unseren Spaß. Aber es ist oft sehr anstrengend, weil wir die Klassenarbeiten teilweise auf unseren Fahrten mitschreiben.“ Aber trotz der Anstrengung: Lohnen tut es sich allemal. Jannis Augen leuchten, wenn er von seinem Hobby erzählt. Und: „Auf die Wettkämpfe arbeitet man ja auch das ganze Jahr drauf hin.“

Eines Tages selbst Profi sein

Pro Jahrgang sind es etwa 30 Athleten, die bundesweit in den jeweiligen Disziplinen – wie Skisprung und Langlauf – ausgebildet werden. Neben Willingen kommen der Nachwuchs für den Wintersport natürlich besonders aus dem Süden Deutschlands – wo es viele Berge und auch Schnee gibt. Und wer weiß, vielleicht gehören Janne und Jannis ja bald auch zu den berühmten Profis? „Es wäre auf jeden Fall mein Traum, selbst mal beim Weltcup in Willingen mitzumachen!“, sagt Skispringer Janne. Und Jannis‘ Vorbild ist Johannes Klæbo, der aktuell beste Langläufer der Welt und Olympiasieger. Trotzdem können sich die beiden vorstellen, auch mal etwas ganz anderes zu machen. „Vielleicht werde ich auch doch Fernsehmoderator?“, sagt Janne, „und vielleicht steige ich in die Firma meiner Eltern ein“, sagt Jannis. Eins steht jedoch fest: Mit ihrem Hobby sind die beiden schon ziemlich außergewöhnlich, oder?

Von Elisa Sobkowiak