An der Leine in die Luft

An der Leine in die Luft
Dieses Segelflugzeug befindet sich im Landeanflug. Foto: Elena Zelle/dpa

Am Himmel ist eine Menge los. Es fliegen Düsenjets und Hubschrauber zum Beispiel. Manchmal sieht man auch Segelflieger. Die heben auf sehr spezielle Art ab, weil sie keinen Motor haben.

Der Motor des alten Lastwagens dröhnt, als würde er so schnell es geht auf der Autobahn fahren. Aber der Laster bewegt sich kein Stück, sondern steht rückwärts am Ende einer langen Grasfläche.
Stattdessen bewegt sich aber ein Segelflugzeug. Es ist über ein langes Seil mit dem Laster verbunden. Ziemlich schnell kommt es näher und näher – bis es schließlich abhebt. Immer steiler steigt es an der Leine in die Luft.
Kurz bevor das Flugzeug direkt über dem Lastwagen zu sehen ist, löst sich das Seil. Der Fahrer gibt weiter Gas: So wird das Seil in einem Affenzahn aufgewickelt. Dann ist Ruhe. Oben gleitet das Segelflugzeug lautlos durch die Luft.

Pilot Bernd Hillmann hängt das Segelflugzeug ans Seil. Damit wird der Flieger dann gleich hochgezogen. Foto: Elena Zelle/dp

Starthilfe benötigt

Segelflugzeuge haben keinen Motor. Deshalb brauchen sie eine Starthilfe: Das ist ein anderes Flugzeug mit Motor, das das Segelflugzeug hinter sich her in die Luft zieht. Oder es funktioniert mit einem Lastwagen mit einer Schleppwinde, wie auf dem Segelflugplatz in der Stadt Hoya im Bundesland Niedersachsen.
An jeder Seite dieser Schleppwinde sind unter einer Klappe 1000 Meter Seil verstaut. Die Seile reichen vom einen bis zum anderen Ende des Flugplatzes. Soll ein Segelflugzeug starten, wird das Seil am Flugzeug eingehakt und mit dem Fahrzeug über die Startbahn gezogen bis es abhebt und ohne Leine weiterfliegen kann.
Das richtige Wetter ist dafür wichtig. Bei Gewitter oder starkem Seitenwind können die Segelflugzeuge nicht starten. Gut sind dagegen Kumuluswolken. Diese weißen Wolken ziehen bei schönem Wetter gemächlich am Himmel entlang. „Wo diese Schönwetterwolken sind, da
steigt warme Luft nach oben“, erklärt der Pilot Bernd Hillmann. Dort können Segelflugzeuge also besonders gut fliegen.

Mit so einer Schleppwinde wird das Segelflugzeug in die Luft gezogen. Foto: Elena Zelle/dpa

Das Wetter ist wichtig

Doch bevor es auf dem Flugplatz in Hoya losgeht, sprechen die Segelflieger immer über das Wetter. Danach entscheiden sie, ob sie überhaupt fliegen können und vor allem: in welche Richtung die Flugzeuge starten. Für den Start brauchen die Segelflugzeuge am besten Gegenwind. Der bläst um die Tragflächen und hilft dem Flugzeug in die Luft zu steigen.
Damit das Fliegen sicher ist, kommt noch mehr hinzu: Zum Beispiel kontrollieren die Piloten jedes Mal, ob die Seile in Ordnung sind. Jedes Flugzeug hat eine Checkliste, auf der steht, was die Piloten vor dem Start überprüfen müssen. Anschnallgurte und Fallschirme gibt
es auch. Selbst für Leute, die das schon lange machen, ist das Segelfliegen aufregend. „Aber Spaß macht es immer“, sagt Bernd Hillmann. „Da oben ist es ruhig und überhaupt nicht hektisch.“

Von Elena Zelle (dpa)