Ziemlich beste Feinde

Ziemlich beste Feinde
Köln ist eine sehr alte Stadt – hier eine Ansicht von Anton Woensam aus dem Jahr 1531. Bild: Stefanie Paul

Warum sich Köln und Düsseldorf nicht mögen

Wer hat den bunteren Karneval? Wer die bessere Fußballmannschaft? Und überhaupt: Welches ist die schönere Stadt? Vielleicht hast du schon einmal davon gehört: Zwischen Köln und Düsseldorf scheint seit langer Zeit eine Feindschaft zu bestehen. Aber warum ist das eigentlich so? Duda geht auf Spurensuche.

Solche Aufkleber zeigen die Liebe der Kölner zu ihrer Stadt. Foto: Stefanie Paul

Blick in die Geschichte

Um zu verstehen, warum sich die Menschen in Köln und Düsseldorf so gerne gegenseitig frotzeln, hilft ein Blick in die Geschichte. Oft heißt es, mit der Schlacht von Worringen habe alles angefangen. Angeblich hätten damals Düsseldorfer Bauern den Kölner Erzbischof gestürzt. Was erlauben die sich!? Vor rund 740 Jahren kam es nördlich von Köln tatsächlich zu einer großen Schlacht. „Dort kämpften aber nicht etwa Kölner gegen Düsseldorfer. Sondern die Kölner Bürger kämpften gegen ihren eigenen Erzbischof“, erklärt İpek Sirena Krutsch vom Kölnischen Stadtmuseum.

Der Dom ist das Wahrzeichen von Köln. Bild: Stefanie Paul

Mit vereinten Kräften

Der Kölner Erzbischof war nicht nur Chef der Kirche, sondern er regierte auch über die Stadt. Die Kölner Bürgerschaft lehnte sich dagegen auf und es kam zu einem Streit, der viele Jahre andauern sollte. Zwischenzeitlich wurde der Erzbischof sogar aus der Stadt gejagt. Das wollte sich der Kirchenmann nicht gefallen lassen – und so kam es schließlich zur Schlacht bei Worringen. Das ist heute der nördlichste Stadtteil von Köln. Bei der Schlacht mischte auch ein gewisser Graf Adolf von Berg mit. Zu dessen Heer gehörten wohl auch einige Bauern aus Düsseldorf. Das war damals allerdings noch ein winziges Dorf mit etwa 300 Einwohnern. Sicher ist: Der Graf und seine Leute kämpften an der Seite der Kölner. Und gemeinsam besiegten sie den Erzbischof!

Auch in Düsseldorf gibt es einen großen Rosenmontagszug. Foto: Federico Gambarini/dpa

Es geht um Geld und Waren

Ein Grund für den Ärger zwischen Köln und Düsseldorf könnte auch im sogenannten Stapelrecht liegen. „Im Mittelalter veränderte der Rhein etwa auf der Höhe von Köln seine Wassertiefe“, erzählt die Expertin. Deshalb mussten die Händler anhalten und ihre Waren auf andere Schiffe umladen. Das machten sich die Kölner dank des Stapelrechts zunutze: Die Kaufleute durften nämlich nicht einfach umladen und weiterschippern! Sondern sie mussten drei Tage in der Stadt bleiben und ihre Waren dort zum Kauf anbieten. Dazu gehörten etwa Le­bens­mit­tel, Salz und Wein. Aber auch Roh­stof­fe wie Holz, Blei und Wol­le. Andere Städte wie etwa Düsseldorf hatten das Nachsehen. Dort kamen nicht nur weniger Waren an, diese waren obendrein auch noch viel teurer! Erst nach etwa 600 Jahren verlor das Stapelrecht seine Gültigkeit.

Der FC ist in Köln allgegenwärtig. Bild: Stefanie Paul

Die Rivalität wächst

Warum sich Köln und Düsseldorf nicht mögen, kann eigentlich niemand so ganz genau sagen. Es gibt nicht DEN einen Grund. „Man kann aber beobachten, dass die Rivalität in der Zeit der Industrialisierung zugenommen hat“, verrät İpek Sirena Krutsch. Die Industrialisierung begann vor rund 200 Jahren. Damals wurden Maschinen erfunden, Fabriken gebaut und neue Unternehmen gegründet. Viele Produkte stellte man nun nicht mehr mit der Hand her wie früher, sondern mithilfe von Maschinen. Das Leben der Menschen veränderte sich dadurch komplett. „In Köln hat man die Industrialisierung jedoch etwas verschlafen“, sagt die Fachfrau. Die Stadt war damals zum Beispiel noch von einer Stadtmauer aus dem Mittelalter umgeben. In Düsseldorf machte man es dagegen etwas schlauer: Wichtige Unternehmen siedelten sich dort an und dadurch begann die Stadt, immer stärker zu wachsen. Das ließ die Kölnerinnen und Kölner wohl etwas neidisch werden – und die Rivalität nahm zu.

Düsseldorf wird Landeshauptstadt

1946 kam es für Köln richtig dick. Kurz zuvor war der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen. Deutschland hatte den Krieg angezettelt und verloren. Nun war das Land von den sogenannten Siegermächten besetzt. Zu diesen gehörten auch Truppen aus Großbritannien. Die Militär-Chefs bestimmten, dass Düsseldorf die Hauptstadt des neu gegründeten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen werden sollte. Das fand man in Köln natürlich unerhört! Immerhin war die Stadt doch viel älter und obendrein auch viel größer. Warum die Entscheidung damals auf Düsseldorf fiel, ist nicht ganz klar. Es könnte damit zu tun gehabt haben, dass Düsseldorf im Zweiten Weltkrieg weit weniger beschädigt worden war als Köln.

Zufall oder Absicht?

Aber: In Köln findet man kein Verkehrsschild, auf dem Düsseldorf angeschrieben ist. Und zu einer richtigen Rivalität gehört immer auch, dass man sich übereinander lustig macht. Und so erzählen die Kölner Witze über Düsseldorf – und umgekehrt.

Von Stefanie Paul