Diese Kinder leben wie im Mittelalter

Diese Kinder leben wie im Mittelalter
Paul (links) und Frieda (rechts) machen am Wochenende oft eine Zeitreise: Dann leben sie wie im Mittelalter. (Fotos: Christina Rinkl)

Paul und Frieda sehen in ihrer Freizeit manchmal anders aus als andere Kinder. Sie tragen dann Gewänder und Beinlinge statt Jeans und T-Shirts. Ihre Eltern sind bei  „Terra Coloniensis“ aktiv. Das ist ein Verein, deren Mitglieder das Leben des Mittelalters darstellen, zum Beispiel auf Ritterfesten. Der Name ist Lateinisch und bedeutet so viel  wie  „Kölner Land“ oder „Kölner Gebiet“. Wir haben die Kinder beim Ritterfest auf Gut Schiff in Bergisch Gladbach-Herrenstrunden getroffen.

Das Lager

Hier gibt es keinen Strom – stattdessen wird mit Feuer gekocht. (Foto: Rinkl)

Etwa viermal im Jahr hält der Verein „Terra Coloniensis“ Lager ab, zum Beispiel auf verschiedenen Ritterfesten. Alle schlafen dann in geräumigen weißen Zelten. Jede Familie schläft in einem Zelt, die anderen Mitglieder werden auf die Zelte aufgeteilt.  Bei dem Lager auf Gut Schiff waren zehn Erwachsene und vier Kinder dabei.

Im Lager gibt es neben der Lagerküche und einem Zelt mit Essensvorräten auch einen „Zuber“. Das ist die große mittelalterliche Entspannungsbadewanne. Paul und Frieda gefällt es, hin und wieder in ihre mittelalterlichen Rollen zu schlüpfen. Sie sind mit diesem Hobby ihrer Eltern aufgewachsen. Auch Marlea und Svea, die jüngeren Schwestern von Frieda, sind bei jedem Lager dabei.

Paul (9) erzählt:

Ganz schön matschig auf dem Zeltplatz! (Foto: Rinkl)

„Wenn wir ein Lager haben, schlafen wir immer im Zelt. Hier in Bergisch Gladbach war es dieses Jahr leider etwas regnerisch und sehr matschig. Ich habe nachts den Regen auf das Zeltdach prasseln gehört. Ich schlafe nur mit Isomatte, Schaffell und Decke. Das reicht mir. Tagsüber sitzen wir Kinder zusammen, spielen oder machen auch mal Figuren aus Ton. Diese Arbeit hat im Mittelalter der „Bilderbäcker“ gemacht, er hat Werkzeuge und Figuren aus Ton hergestellt.“

Frieda (8) sagt:

Die Kleidung wird oft selbst genäht – oder online bestellt. (Foto: Rinkl)

„Den Gürtel für mein Kleid habe ich selbst geflochten. Auch unsere Schwerter haben wir selbst gemacht. Mit Holz von dem großen Holzhaufen. Wir haben die Spitzen in die Glut der Feuerstelle gehalten, dann werden die Schwertspitzen ganz schwarz. Dann können wir uns mit dem Ruß sogar gegenseitig eine schwarze Nase malen, das ist lustig.“

Die Kleidung

Entweder nähen ihre Eltern die Klamotten selber oder die Kleidung wird  in einem speziellen „Ritter-Ausrüstungsladen“ bestellt. Das geht auch über das Internet.  „Zuerst ziehe ich die Bruche an“, sagt Paul. Das ist eine knielange, weite Unterhose aus Leinen, die etwa bis zum Knie geht. Darüber kommen die Beinlinge aus Wolle. „Die kratzen leider ein bisschen.“ Die Beinlinge werden dann an der Bruche festgebunden. Oben drüber kommt bei Paul ein Leinenhemd oder bei Frieda ein Leinenkleid.

Das Spielzeug

Das mittelalterliche Spielzeug haben die Kinder selbst gemacht. (Foto: Rinkl)

Paul und Frieda zeigen dem Publikum auf dem Ritterfest ihr nachgebautes mittelalterliches Spielzeug. Da die Sachen genau so aussehen wie damals im 12. Jahrhundert, werden sie als „authentische Replikate“ bezeichnet. Die Kinder präsentieren den Festbesuchern verschiedene Würfelspiele, Rasseln und Figuren aus Ton.

Auch verschiedene kleine Ziegenknochen haben die Kinder nachgebildet. Sie werfen sie hoch und fangen sie mit dem Handrücken wieder auf. Brettspiele gab es im 12. Jahrhundert ebenfalls. Damals wurde Mittelalter-Schach gespielt, eine einfache Form des Spiels mit einem Brett aus Lindenholz.  Alkerke ist ein Vorgänger des Damespiels. „Ich verliere dabei leider ziemlich oft“, sagt Paul.

Der Verein

Die Mitglieder bei „Terra Coloniensis“ haben verschiedene Rollen. Jean-Marc ist zum Beispiel der Lagerkoch und bereitet während des Ritterfestes eine Lauchsuppe auf der Feuerstelle zu. Pascal hat den Verein damals gegründet. Er hatte schon als Jugendlicher großes Interesse am Mittelalter. Er sagt: „Wir sind auch befreundet mit anderen Lagern. Wir als Verein treffen uns ein bis zweimal im Monat.“ Dann wird die Ausrüstung gepflegt und was kaputt ist, wird geflickt. „Unser Schwerpunkt im Verein liegt auf historischen Spielen, Handarbeiten und Kleidung.“

Von Christina Rinkl