Psssst, zuhören!

Psssst, zuhören!
Vorlesen ist ein bisschen wie Magie (Bild: Fotolia)

Hast du in Köln vielleicht auch schon mal einer oder einem zugehört? Einer oder einem der vielen Vorleser der Initiative „Lesewelten“, die in Kölner Bibliotheken, Kitas, Schulen und Museen Geschichten erzählen? Am Sonntag, 7. September, feiert Lesewelten zehnjähriges Bestehen – mit einer großen Party. Kölner Autoren lesen aus ihren Büchern vor, es gibt Konzerte unter anderem von „Klee“ und „Johannes Stankowski und Band“ und einen Bücherflohmarkt (siehe unten). Gegründet hat die Initiative übrigens die Kölner Freiwilligen Agentur. Wir haben vor der Party mit einer Lese-Expertin gesprochen, was so klasse ist am Vorlesen.

Frau Kranz, warum finden wir es so schön, wenn uns jemand vorliest?

Vorlesen4_FotoliaChristine Kranz: Wir genießen das Gemeinschaftserlebnis, wenn uns in einer Gruppe vorgelesen wird. Und es entsteht eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Vorleser und Zuhörer. Vorgelesen zu bekommen ist aber nicht nur schön, sondern auch wichtig.

 

Wie meinen Sie das?

Kranz: Es ist der Einstieg in das spätere eigenständige Lesen. Untersuchungen zeigen, dass so die Liebe zum Buch schon bei uns geweckt werden kann, wenn wir noch ganz klein sind. Wenn uns schon als Kind vorgelesen wird, lesen wir häufig auch später gern. Außerdem lernen wir dann schneller sprechen und haben einen größeren Wortschatz. Wer viel liest, kann sich auch besser in andere Menschen hineinversetzen und hat mehr Fantasie.

Warum ist das so?

vorlesen2_FotoliaKranz: Wenn wir lesen oder vorgelesen bekommen, müssen wir uns die Dinge aus dem Buch selbst vorstellen. Wir bekommen also keine Bilder vorgegeben. Das ist beim Fernsehen ganz anders, da sieht man die Dinge schon fertig vor sich. Die Fantasie wird deshalb nicht so stark angeregt. Auch die Kreativität wird durch Bücher gefördert. Das bedeutet, dass Bücher die Leser oder Zuhörer anregen, etwas aus dem Text nachzumachen. Wenn wir zum Beispiel etwas übers Gärtnern lesen, kann das Lust machen, selbst etwas zu säen.

Ist Vorlesen nicht nur etwas für diejenigen, die nicht lesen können?

Kranz: Nein, überhaupt nicht. Sogar viele Erwachsene lassen sich gern vorlesen. Deshalb gibt es ja auch so viele Hörbücher. Es ist ein ganz anderes Erlebnis, sich vorlesen zu lassen. Vor allem, wenn der Vorleser den Figuren verschiedene Stimmen gibt oder spannende Stellen besonders betont.

Aber irgendwann können wir doch selbst lesen.

Vorlesen_FotoliaKranz: Das stimmt, aber vor allem am Anfang lesen wir langsam und nur

kurze Texte mit einfachen Sätzen.

Aber wir können schon früh auch kompliziertere Bücher verstehen, wenn die Eltern sie uns vorlesen.

 

Hat der Vorleser auch etwas vom Vorlesen?

vorlesen3_FotoliaKranz: Ja, Vorlesen ist ein Geben und Nehmen. Denn man teilt in dem Moment die Begeisterung für ein Buch. Die Zuhörer genießen es, vorgelesen zu bekommen  – das spürt auch der Vorleser oder die Vorleserin. Und sie tauchen manchmal in eine völlig neue Welt ein: So beschäftigt sich zum Beispiel ein Großvater mit Comics oder eine Großmutter vielleicht mit Star Wars. Es entsteht auch eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Zuhörer und Vorleser.

 

Gibt es denn bestimmte Bücher, die sich besonders gut zum Vorlesen eignen?

Kranz: Alles, was witzig, spannend oder überraschend ist! Früher hat man vor allem Geschichten vorgelesen. Heute gibt es aber auch tolle Sachbücher, die man super vorlesen kann. Sie haben häufig Elemente zum Ausklappen oder Anfassen und kurze Texte.  Zum Beispiel über den Wald – da ertönen dann vielleicht sogar die passenden Geräusche.

Das Gespräch führte
Kathy Stolzenbach

Christine_kranz_privatChristine Kranz  (56) arbeitet bei der Stiftung Lesen.

Sie ist zum Beispiel dafür zuständig, Vorleser auszubilden.Das sind Menschen,

die ehrenamtlich, also ohne dafür Geld zu bekommen, Kindern Geschichten vorlesen.

Christine Kranz hat vier Kinder, denen sie früher viel vorgelesen hat – ihrem Sohn, bis er 16 war.

10 Jahre Lesewelten-Fete

Sonntag, 7. September 2014

12 bis 16 Uhr,

Zirkus- und Artistikzentrum Köln, An der Schanz 6.