Leben retten
Duda hat einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder besucht.
Vielleicht hast du das selbst schon erlebt: Auf dem Spielplatz schrammt sich ein Mädchen das Knie auf und fängt an zu bluten. Oder, noch böser: Zwei Jungs stoßen mit den Köpfen zusammen, einer bleibt benommen liegen. Was für ein Schreck, aber es kann passieren. Im Kölner Geburtshaus lernen Kinder in einem Erste-Hilfe-Kurs, wie sie in solchen Fällen reagieren können. „Niemand ist zu klein, um zu helfen“, sagt Fachkinderkrankenschwester Mareike Brandt. Duda war bei einem Kurs dabei.
Notruf absetzen
In der ersten Übung liegt Helena, 9, auf dem Boden und rührt sich nicht. Lia, 10, „spielt“ die Ersthelferin. Sie leiht sich ein Handy aus und ruft die 112 an, die Nummer des Rettungsdienstes. „Das Absetzen des Notrufs ist das Allerwichtigste“, sagt Mareike Brandt, die in der Kölner Uniklinik arbeitet. „Insgesamt wollen wir bei den Kursen vermitteln: Notfälle gehören zum Leben dazu. Und Kinder können nicht viel falsch machen. Das Schlimmste ist, wenn sie gar nichts tun.“ Beim Telefonieren mit dem Rettungsdienst empfiehlt sie Lia, sich an den 5 Ws zu orientieren: Wer ruft an? Was ist passiert? Wo ist es passiert? Wie viele Menschen sind betroffen? Und dann nicht auflegen, sondern: Warten auf Rückfragen. „Es dauert zwischen neun und zwölf Minuten, bis der Rettungsdienst da ist. Deshalb ist eure Hilfe bis zum Eintreffen so wichtig.“
Blutungen stillen
Was tun, wenn ein Kind blutet? Darum geht es in der nächsten Übung. Bei kleineren Wunden hilft schon ein Pflaster, bei größeren wird vielleicht ein Verband notwendig. „In jedem Auto ist ein Verbandskasten. Vielleicht stehen Autos in der Nähe, bei denen gerade jemand ein- oder aussteigt“, sagt Mareike Brandt. Mit einem Pinsel malt sie Helena und Lia rote „Wunden“ auf die Hände, die es probeweise zu versorgen gilt. Abwechselnd legen sich die Mädchen gegenseitig Verbände an. Dann zeigt Mareike Brandt ihnen den „Pflastertrick“. Ein einfaches Pflaster löst sich schnell, wenn man es am Knie oder an einem anderen Gelenk anbringt. „Da hilft es, vorher kleine Dreiecke in die Klebeflächen zu schneiden.“
Stabile Seitenlage
Es kann passieren, dass Menschen bei einem Unfall das Bewusstsein verlieren. Sie reagieren dann nicht, wenn man sie anspricht. Wie geht man vor, wenn das passiert? Erst einmal sollte man herausfinden, ob die Person atmet. Dazu das Ohr über ihren Mund halten, so kann man ihren Atem hören und fühlen – oder sieht man, dass ihre Brust sich hebt und senkt? Wenn der Mensch atmet, sollte man ihn in die stabile Seitenlage bringen: eine spezielle Position, die verhindert, dass er versehentlich erstickt, weil etwa seine Zunge im Mund zurückrutscht. Wie das geht, trainiert Mareike Brandt mit den Kindern. „Aber ihr müsst das nicht machen, wenn ihr es euch im Ernstfall nicht zutraut. Hauptsache, ihr setzt den Notruf ab oder ihr holt Hilfe. Alles ist besser als weitergehen und nichts tun.“
Die Herz-Lungen-Wiederbelebung
Sie kommt zum Einsatz, falls eine bewusstlose Person nicht mehr atmet. Auch hier gilt: Wer sich das nicht zutraut, soll wenigstens Hilfe holen. Geübt wird die Herz-Lungen-Wiederbelebung mit einer Puppe, die Mareike Brandt mitgebracht hat. Zuerst die Beatmung: Abwechselnd pressen Helena und Lia ihre Lippen auf die Lippen der Puppe und pusten ihr langsam Luft in den Mund, bei Babys und Kleinkindern anfangs fünfmal, bei Erwachsenen zweimal. Dann kommt die Herzdruckmassage. Sie hilft einem Menschen, dessen Herz aufgehört hat zu schlagen. Man drückt ihm mit durchgestreckten Armen auf die Brust: in der Mitte zwischen den Brustwarzen. 100- bis 120-mal in der Minute, etwa im Takt des Liedes „Happy Birthday“. So fließt das Blut weiter durch den Körper und zum Gehirn, bis professionelle Hilfe kommt.
Mehr Infos
Die Einrichtung bietet Kurse und Fortbildungen rund um Schwangerschaft und Geburt an, die vor allem für Eltern interessant sind. Außerdem stehen Eltern-Baby-Kurse auf dem Programm und Erste-Hilfe-Kurse: einer für Kinder von sechs bis neun Jahren, einer für Zehn- bis 13-Jährige. Das Kölner Geburtshaus hat einen Standort in Nippes und einen in Sülz.
Von Markus Düppengießer







