Kölsch ist vom Aussterben bedroht

Im Hänneschen-Theater wird ausschließlich Kölsch gesprochen. (Foto: Hänneschen-Theater)
Im Hänneschen-Theater wird ausschließlich Kölsch gesprochen. (Foto: Hänneschen-Theater)

En unsrem Veedel… da ist es nicht nur am schönsten, sondern da lernen wir auch am besten Kölsch sprechen! Kölsche Worte und Sätze sind allerdings vom Aussterben bedroht. Das sagt zumindest die UNESCO – eine internationale Organisation, die sich mit Bildung, Wissenschaft und Kultur beschäftigt. Heute ist der Tag der Muttersprache und Duda hat sich mit echten Kölsch-Experten von der „Akademie för uns kölsche Sproch“ unterhalten.

Ist Kölsch eine Sprache?

Eine Sprache muss in einem abgesteckten Gebiet gesprochen werden, sie muss offiziell festgelegte Regeln zur Grammatik und Rechtschreibung haben und es müssen offizielle Dokumente in der Sprache verfasst sein. Außerdem muss es Wörterbücher und Literatur in dieser Sprache geben, sagt Christa Bhatt von der „Akademie för uns kölsche Sproch“.

Diese Regeln passen nicht alle auf das Kölsche, zum Beispiel gibt es niemanden, der die Grammatik-Regeln offiziell festgelegt hat. Im Deutschen ist das anders: Da gibt es den Duden. „Deswegen ist Kölsch ein Dialekt“, sagt Christa Bhatt. Der Dialekt wird nicht mehr an die jüngeren Leute weitergegeben – das ist das Problem. Viele ältere Menschen sprechen ihn zwar, aber sie bringen es nicht mehr ihren Kindern oder Enkeln bei.

Dialekt der Kriminellen

Vor 50 Jahren, in den 1960er Jahren, sahen viele Kölner das Kölsch als schlechten Dialekt an. Viele Kriminelle sprachen es nämlich. Deswegen wollten sich die anderen Menschen von ihnen absetzen, indem sie Hochdeutsch sprachen. Auch an den Schulen wurde Hochdeutsch gesprochen und kein Dialekt.
Als in den 1970er Jahren die Musiker der Gruppe „Bläck Fööss“ anfingen zu singen, gab es eine Wendung. „Sie hatten schöne Texte und schöne Musik auf Kölsch“, sagt Christa Bhatt. Dadurch wurde der Dialekt wieder angesehener in der Gesellschaft.

Dem Vorbild der „Bläck Fööss“ folgten viele weitere Bands und heute ist der Dialekt wieder schick. Es ist cool, auf Kölsch zu singen, doch es gibt ein Problem, sagt Christa Bhatt: „Viele können es gar nicht richtig.“ Dadurch geben sie falsche Wörter an die Zuhörer weiter. Ein Beispiel, das Christa Bhatt nennt: Die „Bläck Fööss“ haben ein Lied, das „Mir klääve am Lääve“ heißt. Dabei muss es eigentlich „klevve“ und „levve“ heißen. Kleine Fehler, die die Expertin nicht so gut findet.

Der Dialekt verändert sich

Dadurch, dass es immer weniger Menschen gibt, die richtiges Kölsch sprechen, verändert sich der Dialekt. Leute, die aus anderen Regionen oder aus dem Ausland stammen, kommen nach Köln und übernehmen häufig benutzte kölsche Sätze oder Worte. Dadurch vermischen sich Dialekte und Sprachen. Das nennen Experten auch „Regiolekt“.

Gut, Kölsch sprechen aber immer noch einige Leute: vor allem in Brauhäusern, genauso wie auch viele Bauarbeiter oder Taxifahrer den Dialekt können, sagt Christa Bhatt. Außerdem gibt es einige Autoren, die im Dialekt Bücher schreiben.

Kann man die Mundart retten?

Das wichtigste ist, dass in den Familien weiter Kölsch gesprochen wird. Die Leute, die es noch können, sollten es an ihre Kinder und Enkel weitergeben. Aber es gibt auch Schulen, an denen der Dialekt gelehrt wird. In Kölsch-AGs lernen Grundschulkinder kölsche Lieder, aber auch viel über die Geschichte der Stadt.
Am einfachsten lernen sie den Dialekt dann, wenn sie singen, sagt Priska Höflich, die die Kölsch-AGs organisiert: „Kölsch ist ein Singsang und den lernt man am besten beim Singen, wenn man ihn fühlt.“ Köln (und der dazugehörige Dialekt) ist eben ein „Jeföhl“, wie es so schön in einem Lied der Kölner Band „Höhner“ heißt: ein Gefühl.

Von Jennifer Wagner