„Irgendwann kam die Begeisterung“
Mats aus Köln hat ein ungewöhnliches Hobby: Er beobachtet gerne Vögel.
„Da, hast du das gesehen?“, ruft Mats aufgeregt und zeigt auf die Ampel. „Eine Blaumeise! Die ist da in das Loch geflogen.“ Mats beäugt das Löchlein genauer. Er vermutet, dass die Blaumeise dort ihr Nest baut. In einem hohlen Ampelpfahl an einer Kreuzung mitten in Köln-Kalk. Ich hatte die Blaumeise nicht bemerkt. Doch Mats ist aufmerksam, sein Blick huscht umher, geht immer wieder Richtung Himmel. Sein Hobby ist es, Vögel zu beobachten. Das Fachwort dafür heißt Ornithologie, viele nutzen auch das englische Wort „Birdwatching“. Heute nimmt der Elfjährige uns mit auf den Deutzer Friedhof, wo er die Tiere oft beobachtet. Die Blaumeise haben wir schon auf dem Fußweg dorthin entdeckt.
Wie fing alles an?
Als Mats sechs Jahre alt war, stand er auf dem Balkon, eine Taube flog vorbei und er beschloss, dass Vögelbeobachten sein Hobby wird. „Ich wollte mich mehr mit der Natur beschäftigen, weil die so schön ist. Irgendwann kam dann die richtige Begeisterung.“ Genauer kann er es nicht erklären. Anfangs faszinierte ihn der Specht, der in den hohen Bäumen rund um die Grundschule unterwegs war. Später entdeckte er dort auch Stare. „Damals hatte ich ein Buch mit zehn Vogelarten. Dort konnte man sich auch ihren Gesang anhören“, erinnert er sich.
Wie unterscheidet Mats die Vögel?
Alles, was Mats über Vögel weiß, hat er sich selbst beigebracht. Oder von Leuten aus dem Naturschutzbund (kurz NABU) gelernt. In dem Verein sind Ornithologen, die er regelmäßig trifft. Einem von ihnen hat Mats sogar geholfen, die verschiedenen Vogelarten auf dem Deutzer Friedhof aufzulisten. Zuletzt hat er sogar zwei Arten entdeckt, die der NABU noch nicht auf seiner Liste hatte: Bergfink und Tannenmeise. Doch wie unterscheidet er die Vögel? Mats hat ein dickes Fachbuch mit 900 verschiedenen Vogelarten. „Ich erkenne viele Vögel an ihrem Flug oder ihrem Gesang“, sagt Mats. „Da, ein Zilp-Zalp! Der hat seinen Namen, weil er ‚zilp zalp‘ singt“, erklärt Mats und ahmt den Gesang nach. Wenn er sich unsicher ist, lässt er sich manchmal von einer App auf seinem Handy helfen, die den Gesang von Vögeln erkennt.
Wo beobachtet Mats Vögel?
Auf Friedhöfen, in Parks oder direkt vor der Haustür kann man die Tiere gut beobachten. „Ich habe hier in der Umgebung schon 41 verschiedene Vögel gezählt“, sagt Mats. Besonders gut sehen kann man Vögel am Morgen. Dass er für sein Hobby früh raus muss, stört Mats nicht. „Ich bin Frühaufsteher.“ Am Wochenende ist er meist einen Vormittag lang draußen unterwegs. Er mag es, Zeit zu haben, um die Tiere entspannt zu beobachten – und zu fotografieren. Die Vogel-Fotos auf dieser Seite hat Mats selbst gemacht.
Wo ist Mats sonst noch unterwegs?
Mittlerweile macht Mats auch Ausflüge, um seltenere Vögel beobachten zu können. Zuletzt hat er seine Familie überredet, mit ihm an den Niederrhein zu fahren, weil dort Seeadler ein Nest haben. Oder auf die Insel Helgoland in der Nordsee, weil es dort viele seltene Vögel gibt. In ganz Deutschland hat der Elfjährige schon 170 verschiedene Vogelarten beobachtet. Unbedingt sehen will er den Seidenschwanz. „Weil der so schön bunt ist“, schwärmt Mats. Seine Freunde interessieren sich nicht für sein Hobby, sondern eher für Sport. „Aber die finden das cool“, erzählt Mats. „In der Schule habe ich den Spitznamen ‚der Forscher‘“.
Was fasziniert Mats an den Tieren?
Mats zeigt auf seinem Handy Fotos, die er von Vögeln gemacht hat. Seine Augen strahlen. „Wenn ich die Fotos angucke, habe ich direkt gute Laune“, sagt Mats. Er erzählt von einem besonderen Moment vor einigen Wochen: Mit dem Fahrrad fuhr er insgesamt 40 Kilometer bis zu einem See. „Dort war aber alles eingezäunt und ich war sehr enttäuscht.“ Er beobachtete die Vögel am See von Weitem durch sein Fernglas. Kurz bevor er wieder fahren wollte, entdeckte er einen Eistaucher. „Ich wollte schon so lange einen Eistaucher sehen und dann war es endlich so weit! Der anstrengende Weg mit dem Fahrrad hatte sich doch gelohnt.“
Von Angela Sommersberg








