Es war einmal …

Es war einmal …
Guido Hammesfahr spielt in der Sendung Löwenzahn Fritz Fuchs; immer an seiner Seite: der Berner Sennenhund Keks, der eigentlich Toshi heißt (Bild: dpa)

Zum 10-jährigen Jubiläum der Vorleseinitiative am Sonntag, 7. September, haben wir bekannte Kölner und Kölnerinnen gefragt, welche Geschichte sie sich am liebsten vorlesen ließen und welche sie noch heute gerne erzählen.

Suzie von „Klee“:Lola und die unperfekte Welt

Mail-AnhangDas Buch „Neunundzwanzig verrückte Geschichten“ von Ursula Wölfel hat mir als Kind immer sehr gut gefallen, weil die Geschichten darin so wunderbar widersinnig, also ein bisschen verrückt und zugleich hintersinnig, schlau sind. Das Vorlesen war ein Ritual  vor dem Schlafengehen. Meistens hat mir meine große Schwester vorgelesen, mit der ich mir ein Zimmer geteilt habe. Leider war es genau und strikt geregelt: Mehr als zwei Geschichten gab es nicht – basta! Da half auch kein Bitten und Betteln. Wenn ich heute Kindern vorlese, dann gerne aus  den „Lola“-Büchern * von Isabel Abedi. Weil sie humorvoll, also sehr lustig, geschrieben sind, sich auch mit menschlichen Unzulänglichkeiten, Fehlern und  Ticks auseinandersetzen und eben keine perfekte Welt darstellen wollen.

* „Lola“ aus Hamburg hat einen brasilianischen Vater und probiert nachts in ihrer Fantasie Traumberufe aus.

Susanne Kerstgens ist Sängerin der Band „Klee“; Suzie hat gemeinsam mit Johannes Stankowksi den Liesbert-Rap gerappt

Guido Hammesfahr alias Fritz Fuchs: Janosch und kein Ende

Gudio Hammesfahr spilet in der Sednung Löwenzahn Fritz Fuchs; imemr an seiner Seite: der Berner Sennenhund Keks, der eigentlich Toshi heißt (Bild: dpa)Denke ich ans Vorlesen, höre ich die Stimme von  Hans Paetsch. Es war der berühmte Schauspieler und Sprecher, der mir am meisten vorlas  – nicht in Echtzeit, neben meinem Bett sitzend, sondern indirekt, von der Schallplatte. Meine Mutter hatte wenig Zeit, sie musste viel arbeiten, weil mein Vater früh gestorben ist. Deshalb haben mein älterer Bruder und ich vor dem Einschlafen eine Platte aufgelegt, das Licht ausgeknipst, und  uns von Paetsch Märchen vorlesen lassen, die  mit „Es war einmal…“ begannen, wie mein Lieblingsmärchen  „Allerleirauh“ *.  Am liebsten aber hörten wir  das Dschungelbuch. Als ich selber lesen konnte, habe ich meinem kleinen Bruder Bücher von Janosch vorgelesen. Oh wie schön ist Panama“ wahrscheinlich so oft, dass er es noch heute auswendig mitsprechen kann.

*Allerleirauh handelt von einer entlaufenen Prinzessin, in die sich ein König wegen ihrer Kochkünste verliebte.

Guido Hammesfahr spielt Fritz Fuchs in der Serie Löwenzahn und tritt als Erzähler in der Kölner Kinderoper auf

Vorleserin Susanne Luz: Ritter Kunibert reist um die Welt

Susa Porträt 2014Unsere Eltern haben uns vier Geschwistern jeden Abend vorgelesen. Mit  der Aussicht auf unser Lieblingsbuch „Das Märchen vom Rasierzeug oder die Zauberlaterne“ von Wolfheinrich von der Mülbe  fiel  es uns  leichter, ins Bett zu müssen.  Ich habe es später meinen Kindern und ihren Freunden in großer Runde mit  derselben Freude vorgelesen – würde es auch heute mit in den Koffer packen, sollte ich mit meinen Enkeln (5 und 7) verreisen. In dem Märchen geht es um den Ritter Kunibert, der, um die Prinzessin Sonja heiraten zu können, rund um die Welt geschickt wird: Er soll Rasierzeug finden, das Zauberkräfte hat. Dabei muss er Abenteuer um Abenteuer bestehen – mit Feen, Drachen, Zauberern und Dämonen! Mein Bilderbuchtipp für Kindergartenkinder: „Wunderbare Welt“ * von Nick Butterworth.

* „Wunderbare Welt“ zeigt die Schöpfungsgeschichte, mit Bildern im Pop-up-Effekt, Spiegeln, Scheiben und mehr.

Susanne Luz war 40 Jahre Buchhändlerin in Köln und ist ehrenamtliche Vorleserin bei der Stiftung Lesewelten

 

 

 

Nikolaus Heidelbach: Von Räubern und glücklichen Löwen

Literatur-Nikolaus-Heidelbach-erhaelt-den-Rattenfaenger-Literaturpreis-2012Als ich vor zwei Jahren die Märchen aus 1001 Nacht in die Hände bekam, und die ersten Zeilen von „Alibaba und die 40 Räuber“ las, blitzte es in  mir auf: Das kenne ich, obwohl ich es nie gelesen habe! Allmählich fiel es mir ein, das Märchen hatte uns unsere Mutter früher oft erzählt. Sie hat auch   aus Büchern vorgelesen, aber die meisten Geschichten hatte sie im Kopf.  Manchmal haben wir gemeinsam ein Bilderbuch geschaut, am liebsten „Barbar, der Elefant“.  Wenn ich heute Kindern vorlese, dann meistens aus meinem neuesten Buch, um zu testen, ob die Geschichte funktioniert. Als ich einmal aus „Wenn ich groß bin werde ich Seehund“ * vorlas und fragte, ob die Kinder eine bestimmte Zeichnung  lustig fänden, meinte ein Junge: „Das ist jetzt nicht so der Burner“. Der wird mal ein guter Leser, denke ich.  Bild: dpa/Uwe Zucchi

* Heidelbachs Bilderbuch handelt von Seehunden, die an Land gehen, ihr Fell abstreifen und Menschen werden.

Nikolaus Heidelbach (Köln) ist Kinderbuchautor und Illustrator. Für seine Bücher hat er viele Preise bekommen

 

Johannes Stankowski: Michel aus Lönneberga und die wilde Seite des Lebens

UnbenanntVorlesen gehörte für mich zum Einschlafen, wie das Bett. Jim Knopf * von Michael Ende hätte ich jeden Abend hören können – dieser tolle Mix aus Abenteuer und Fantasiewelt hat mich auf eine schöne Gedankenreise geschickt. Auch Michel  aus Lönneberga musste immer wieder sein – ich stand nämlich auch eher auf der wilden Seite des Lebens. Ab sechs Jahren habe ich das Lesen dann an mich gerissen.  Ich war eine ausgesprochene Leseratte, vielleicht auch, weil bei uns in der Waldorfschule   Lesen ganz oben stand auf der Wichtigkeitsskala.  Logisch, dass ich auch  jetzt meinen beiden Kindern  regelmäßig vorlese. Das ultimative Highlight ist für sie gerade mein eigenes Kinderbuch-Projekt (plus CD) „Alles wird grün“ , das im Januar erscheinen wird. Und natürlich alles von Astrid Lindgren, tolles Kopfkino!

* „Jim Knopf“ist die Geschichte eines schwarzen Waisenkinds, der im Paket auf eine  Insel geschickt wird.  

Johannes Stankowski ist ein Kölner Musiker und hat den „Liesbert“-Rap gerappt

 

André Gatzke: Baski. Oder: Vorlesen als Medizin

Andre GatkeMeine Eltern haben mir immer aus „Baski“ * vorgelesen. Mein Freund und ich haben uns gegenseitig mit neuen Bänden versorgt. Später hatte ich Baski sogar als Puppe. Ich habe mir nie regelmäßig vorlesen lassen, dazu war ich viel zu unruhig. Am meisten gemocht habe ich es, wenn ich krank war oder nicht schlafen wollte – dann gerne dasselbe Buch dreimal hintereinander. Heute lese ich meinen Kindern jeden Abend beim Kuscheln vor. Meine Frau ist eine Leseratte und wir gehen regelmäßig in die Bücherei, so dass es eine  riesengroße  Auswahl gibt. Davon eines auszuwählen ist gar nicht so leicht.  Wie gut, dass es meistens  doch immer dieselben Bücher sind, die ich vorlesen soll. Was nicht fehlen darf, ist Janosch, der „Grüffelo“ und „Pit der Floh“. Da sind meine Kinder und ich uns vollkommen  einig.

* „Baski“ ist eine kleine Holzfigur mit Wuschelhaaren, die viele Streifzüge durch die Natur unternimmt.

André Gatzke ist WDR-Moderator (unter anderem „Die Sendung mit dem Elefanten“)

 

 

Von Caroline Kron

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