Generation Kopf unten
Andrea war ganz vertieft in das Gespräch mit ihrer Schwester. Als sie die Straße überqueren wollte, achtete sie nicht auf den Verkehr. Sie übersah die Straßenbahn, die von links kam. Der Bahnfahrer hupte und bremste – zu spät: Andrea wurde von der Bahn erwischt und stürzte auf die Straße.
Doch die 28-Jährige hatte großes Glück. Sie hatte zwar eine schlimme Platzwunde am Kopf, aber die heilte gut. Zurück blieb nur eine Narbe. Seit diesem Unfall lässt Andrea ihr Telefon in der Tasche, wenn sie im Straßenverkehr unterwegs ist.
Abgelenkt vom Smartphone
Eine aktuelle Studie in sechs europäischen Städten zeigt: Viele Fußgänger lassen sich von ihrem Smartphone ablenken. Sie checken unterwegs ihre Mails, posten Kommentare auf Facebook, verschicken WhatsApp-Nachrichten. Das Problem dabei: Wer aufs Handy schaut, guckt nicht nach links und rechts. Und wer telefoniert, bekommt häufig nicht mit, was um ihn herum passiert.
In Amsterdam, Berlin, Brüssel, Paris, Rom und Stockholm beobachteten Forscher insgesamt 14.000 Fußgänger an viel befahrenen Kreuzungen oder an Haltestellen. 17 Prozent, also fast jeder fünfte Fußgänger, benutzte beim Überqueren der Straße sein Handy. Experten sprechen von der Generation „Kopf unten“. Besonders junge Menschen, die mit dem Smartphone aufwachsen, gehören dazu.
Die meisten Menschen tippten eine Nachricht, viele telefonierten, und manche taten sogar beides gleichzeitig. Häufig trugen die Fußgänger Kopfhörer – ohne dabei zu sprechen. Sie haben also wahrscheinlich Musik gehört. Auch das kann so sehr ablenken, dass Geräusche wie Hupen oder Klingeln nicht gehört werden.
Die Forscher der Studie beobachteten, dass vor allem junge Leute oft gemeinsam auf ein Smartphone schauten, während sie die Straße überquerten. Einmal stieß eine ganze Gruppe mit einem Radfahrer zusammen. Wenn Auto- oder Radfahrer mit dem Handy am Ohr oder in der Hand am Steuer oder Lenker erwischt werden, können sie bestraft werden. Autofahrer müssen 60 Euro zahlen, Radler 25 Euro. Ein Handy-Verbot für Fußgänger gibt es nicht. Dabei kann es lebensgefährlich sein, sich vom Smartphone ablenken zu lassen.
Neue Ampeln am Boden
Um Unfälle zu verhindern, testen die Städte Köln und Augsburg momentan spezielle Bodenampeln. Das sind rote Lichtleisten auf dem Boden an Straßenbahn-Haltestellen. Diese Lampen blinken, wenn eine Bahn kommt. Wenn Fußgänger beim Gehen nach unten auf ihr Handy schauen, sollen sie durch die Ampeln gewarnt werden.
In Köln gibt es die Bodenampeln bisher an drei Haltestellen, zum Beispiel an der Weißhausstraße. Noch ist es eine Testphase. Wenn die Untersuchungen im Sommer abgeschlossen sind, wird feststehen, ob die Ampeln etwas bringen. Davon hängt ab, ob es auch an anderen Haltestellen und Bahnübergängen Bodenleuchten geben wird.
Fussgänger passen nicht auf
2015 sind fünf Fußgänger in Köln gestorben, weil sie rote Ampeln übersehen haben. Verkehrsexperten wissen: Viele Unfälle auf deutschen Straßen werden von Fußgängern verursacht, die sich falsch verhalten. Sie ignorieren die rote Ampel oder laufen auf die Fahrbahn, ohne auf Autos zu achten. Sehr häufig sind sie von ihrem Handy abgelenkt. Du kannst dein Smartphone natürlich benutzen – wenn du in der Bahn sitzt, an der Kasse anstehst oder auf einer Bank sitzt. Aber lass es in der Tasche, wenn du unterwegs bist!
Von Kathy Stolzenbach





