Erde im Eiltempo?

Erde im Eiltempo?
Im Herbst bedeckt Laub an vielen Stellen den Boden. Bild: dpa-Bildfunk

Was das Herbstlaub mit der Geschwindigkeit der Erde zu tun hat.

Der Herbst ist da! Die Blätter an den Bäumen färben sich bunt und fallen nach und nach auf den Boden. Dadurch entstehen riesige Laubberge auf den Straßen. Von nur einem Baum können nämlich rund 500.000 Blätter fallen. Die meisten Blätter fallen im Wald. Auf der Fläche eines Fußballfelds fallen dort jedes Jahr ­ungefähr drei Tonnen Laub. Zum Vergleich: Das ist so viel wie das Gewicht eines aus­gewachsenen Nilpferds! Forschende der Universität Bonn haben etwas Spannendes ­herausgefunden: Das Gewicht des fallenden Laubes hat einen kleinen Einfluss auf die Drehung der Erde.

Eine einfache Regel der Physik

Das klingt vielleicht ­komisch, ist aber eine einfache Regel der Physik. Diese Regel sagt, dass Dinge sich schneller drehen, wenn sie viel Gewicht in ihrem Zentrum haben. Du kannst dir das vorstellen wie bei Eiskunstlaufenden. Wenn sie eine Pirouette machen, ziehen sie ihre Arme zum Körper. So haben sie mehr Gewicht in ihrem Mittelpunkt und können sich schneller drehen. Das ­Gleiche passiert im Herbst mit der Erde: Blätter fallen von den Bäumen auf den Boden. Sie ­nähern sich also dem Mittelpunkt der Erde und verschieben Gewicht zum Zentrum des Planeten. Im Herbst ist also mehr Gewicht im Zentrum der Erde als im Sommer. Laut den Forschenden führt diese Gewichtsverschiebung dazu, dass die Erde sich den Bruchteil einer Sekunde schneller dreht. Dieser Effekt ist allerdings so winzig klein, dass er nicht spürbar ist. Er wird stattdessen von anderen Einflüssen auf die Erddrehung ausgeglichen. Die Erde dreht sich im Herbst also nicht wirklich schneller – auch wenn das Laub einen physi­kalischen Einfluss auf die ­Erddrehung hat.

Von Lina Petry