Die richtige Stimmung
Zu Besuch bei einem Kölner Klavierbauer.
Vielleicht hast du selbst schon mal an einem Klavier gesessen oder ihr habt eines im Musikzimmer in deiner Schule stehen: Klaviere haben einen besonderen Klang – aber wie kommt der eigentlich zustande? Johannes Jee hat es Duda erklärt. Außerdem verrät er, wie man Klaviere wieder zum Klingen bringt und was das Besondere an einem Flügel ist.
Der Klavierbauer
„Ich bin mit Musik groß geworden“, sagt Johannes Jee. „Meine Mutter war Flötenlehrerin. Ich habe in Chören gesungen, lange Zeit habe ich in Orchestern Oboe gespielt, ein Holzblasinstrument.“ Auch Klaviermusik hat ihn immer fasziniert, und so hat er sich schließlich für den Beruf des Klavierbauers entschieden. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. In der Zeit besuchen die Lehrlinge abwechselnd eine Berufsschule und arbeiten praktisch in einem Betrieb. Danach müssen sie sich entscheiden: Entweder bauen sie neue Klaviere. Oder sie reparieren und stimmen ältere Klaviere, so wie Johannes Jee.
Wie funktioniert ein Klavier?
Klaviere sind beeindruckende Instrumente, die mehrere hundert Kilogramm wiegen. Sie können recht unterschiedlich aussehen, eines ist allen gemeinsam: Sie haben weiße und schwarze Tasten, meist sind es 88 Stück, mit denen Töne erzeugt werden. Drückt man auf die Tasten, sorgt eine komplizierte Mechanik im Inneren des Klaviers dafür, dass kleine Hämmer mit Filzköpfen gegen Saiten aus Metall geschleudert werden. „Meist sind es drei Saiten, bei den tieferen Tönen sind es dann nur noch zwei oder sogar nur eine Saite“, sagt Johannes Jee, „insgesamt hat ein Klavier 200 Saiten.“ Die Töne entstehen, weil diese Saiten sehr straff gespannt sind. Um diese Kräfte auszuhalten, werden die Saiten an einer Gussplatte aus Eisen befestigt, die alleine schon mehr als 100 Kilogramm wiegt. Die Schwingungen der Saiten werden auf eine spezielle Holzplatte übertragen, den sogenannten Resonanzboden. „Der macht den Klang so laut, dass er im ganzen Konzertsaal zu hören ist“, sagt Johannes Jee.
Was ist ein Flügel?
Der Flügel ist eine Bauform des Klaviers. Das Besondere: Im Flügel „liegt“ die Mechanik, die die Töne erzeugt – die Saiten und der Resonanzboden verlaufen sozusagen parallel zum Fußboden. Beim Klavier ist es anders: Die Mechanik ist senkrecht, also „stehend“ angebracht. „Darum muss das Instrument nicht so groß sein und passt auch in kleinere Räume“, weiß der Klavierbauer. Ganz schön praktisch, oder? Flügel sind größer, daher stellt man sie eher in Sälen auf. Sie haben in ihrem Inneren Platz für längere Saiten und einen größeren Resonanzboden, daher klingen sie besser.
Die Werkstatt
Seit 2008 betreibt Johannes Jee seine Werkstatt im Kölner Agnesviertel. Eigentlich ist sie zu klein. Alles ist vollgestopft mit Instrumenten und Werkzeug. Bewegen sich zwei Menschen gleichzeitig darin, treten sie sich bald auf die Füße. Nur ein Flügel ist aufgestellt. Bei den anderen sind die Beine abmontiert, hochkant brauchen sie weniger Platz. Ein Flügel lehnt an der Heizung. „Im Resonanzboden ist ein Riss. Durch die Wärme vergrößern wir den Riss. Nach ein paar Tagen können wir keilförmige Holzspäne einsetzen, um die Lücke zu schließen.“ Nicht jedes Instrument muss in die Werkstatt gebracht werden; für kleinere Reparaturen fährt Johannes Jee zu seinen Kundinnen und Kunden. „Holz ist ein lebendiges Material, es reagiert auf Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen“, sagt er. Da ist es ganz normal, dass Teile repariert oder ganz ausgetauscht werden müssen.
Guter Klang
Dass Holz ein Naturmaterial ist, führt auch dazu, dass der Klang eines Klaviers sich mit der Zeit verändert. Damit es wieder „richtig“ klingt, muss das Instrument also regelmäßig gestimmt werden. Das tut man, indem jede einzelne Saite auf die richtige Spannung gebracht wird. Dazu benutzt Johannes Jee einen Stimmhammer, das ist eine Art Schraubenschlüssel. Damit dreht er die Wirbel, um die die Saiten gewickelt sind. Er stimmt Klaviere etwa in der Kölner Oper, im Schauspielhaus und in anderen Theatern, bevor dort Konzerte stattfinden. Er fährt aber auch zu Musikstudios, in denen CDs aufgenommen werden, und kommt zu allen, die ein Klavier in ihrer Wohnung stehen haben und dieses stimmen lassen wollen.
Von Markus Düppengießer








