Die Fenster des Kölner Doms sollen wieder strahlen

Vorsichtig wird der Schmutz entfernt. (Foto: dpa)
Vorsichtig wird der Schmutz entfernt. (Foto: dpa)

Günter Hettinger kennt sich mit altem Glas aus. Er und seine Kollegen sorgen dafür, dass die Fenster einer riesigen Kirche erhalten bleiben. Denn manche Fenster des Kölner Doms sind Hunderte Jahre alt.

Günter Hettinger arbeitet an einem Kirchenfenster. (Foto: dpa)

Günter Hettinger arbeitet an einem Kirchenfenster. (Foto: dpa)

„Das ist etwas ganz Besonderes”, sagt Günter Hettinger und beugt sich vorsichtig über die beleuchtete Tischplatte. Vor ihm liegt ein kleines Fenster. Dunkle Linien sind zu sehen. Dazwischen leuchten kleine, grünliche Gläser. Durch das Licht von unten ist zu erkennen, wie schmutzig die Gläser sind.

700 Jahre alt

Das Fenster ist nicht irgendein Fenster. Es gehört zu einem riesigen Kirchenfenster aus dem Kölner Dom. Das Fenster ist etwa 700 Jahre alt. Es gehört zu den Königsfenstern. Diese heißen so, weil darauf Könige abgebildet sind.

Günter Hettinger streicht mit einem Pinsel über das Glas. Feiner Staub wirbelt auf. Obwohl die Haare des Pinsels weich sind, benutzt ihn der Fachmann nur vorsichtig. Denn selbst mit so einem feinen Pinsel können Kratzer im Glas entstehen.

Wasser ist der schlimmste Feind von Glas

Mit dem Werkzeug sorgen Fachleute dafür, dass uralte Fenster erhalten bleiben. (Foto: dpa)

Mit dem Werkzeug sorgen Fachleute dafür, dass uralte Fenster erhalten bleiben. (Foto: dpa)

Günter Hettinger arbeitet in der Dombauhütte. Er sorgt dafür, dass die alten Fenster erhalten bleiben. „Glas muss gepflegt werden. Es ist empfindlich. Wasser ist zum Beispiel sein schlimmster Feind”, sagt der Mann mit den weißen Haaren.

Vor etwa einem halben Jahr haben er und seine Kollegen das riesige Fenster aus der Kirche genommen. Nun wird das Fenster gereinigt und an manchen Stellen repariert. Anstelle des alten Fensters hängt nun eine Kopie in der Kirche – aus Plexiglas. Bis das richtige Fenster wieder an seinen Platz kann, wird es wohl mehrere Jahre dauern.

Vor der Arbeit wird eine Dokumentation erstellt

Bevor die Fachleute mit ihrer eigentlichen Arbeit loslegen, untersuchen sie die Fenster übrigens erst genau. Sie erstellen eine Dokumentation. „Das machen wir vor allem für die Zukunft», erklärt Günter Hettinger. So wissen die Experten noch in vielen Jahren, was ihre Kollegen früher einmal gemacht haben.

Für die Dokumentation werden die Fenster fotografiert. Dann fangen die Fachleute mit ihrer Untersuchung an: Sie notieren, was ihnen an den Fenstern auffällt. Das braucht viel Zeit! Auf den Fotos sieht man später viele Abkürzungen. Zum Beispiel V1, das bedeutet: Dünne Schmutzschicht. Oder H1: Das steht für Mörtel-Reste.

Spuren verweisen auf frühere Arbeiten

Bevor die Fachleute mit ihrer eigentlichen Arbeit loslegen, untersuchen sie die Fenster erst genau. (Foto: dpa)

Bevor die Fachleute mit ihrer eigentlichen Arbeit loslegen, untersuchen sie die Fenster erst genau. (Foto: dpa)

Günter Hettinger zeigt auf ein kleines Stück Glas. Es ist braun und passt so gar nicht zu den anderen Glasscheiben. Denn diese sind alle grünlich. „Daran erkennt man, dass das Glas später eingesetzt wurde. Vielleicht war das Original kaputt und ein Restaurator hat das Glas getauscht. Wer weiß?”, sagt der Experte.

Auf einem anderen Glas findet er Kratzer, die bei einer früheren Reinigung entstanden sein könnten. An einer anderen Stelle entdeckt er Klebstoff. Eines der Gläser hat einen Sprung, der repariert werden muss. „Da müssen wir überlegen, wie wir das am besten machen”, murmelt der Experte. Vielleicht haben die Kollegen eine Idee.

Das Fenster soll nicht aussehen wie nagelneu

Wenn die Leute aus der Dombauhütte fertig sind, soll das Fenster aber nicht aussehen wie nagelneu. Das wollen die Fachleute nicht. „Wir machen nur so viel wie nötig”, sagt der Fachmann. Zum Beispiel wird das Glas oft nur gereinigt und sauber gemacht. Dann scheint das Licht wieder gut hindurch und die Farben leuchten.

Sockel, Schnörkel und Figuren

Das Kirchenfenster wurde wieder hübsch gemacht. (Foto: dpa)

Das Kirchenfenster wurde wieder hübsch gemacht. (Foto: dpa)

Manche alte Kirchenfenster sind übrigens nach einer ganz bestimmten Art und Weise aufgebaut. Ganz unten ist die Sockelscheibe. Darin kannst du meist ein Wappen entdecken. Es gehört der Person oder der Familie, die das Fenster gestiftet hat – also bezahlt hat.

Darüber siehst du oft eine große, farbige Figur, zum Beispiel aus der Bibel. Über der Figur gibt es den Baldachin. Das sieht so aus, als würde die Figur unter einem Dach stehen.

Noch weiter oben kommt eine große Fläche mit Verzierungen. Diese sind meist weniger farbig. Den Abschluss bildet das spitz zulaufende Maßwerk. Das ist wieder knallbunt.

Von dpa

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Klicke auf die Grafik, dann kannst du sie besser erkennen. (Foto. dpa)

Klicke auf die Grafik, dann kannst du sie besser erkennen. (Foto. dpa)