Was ist der „Islamische Staat“?

Was ist der „Islamische Staat“?
Der "Islamische Staat" bekennt sich zu einem Anschlag in der Türkei. Auf dem Foto legen Menschen Blumen zum Gedenken an die Opfer nieder. (Foto: dpa)

Wenn es ein Spiel gäbe, bei dem man Begriffe in Nachrichten zählen müsste, dann würden wohl zwei Buchstaben gewinnen: IS. Seit Tagen sprechen Leute auf der ganzen Welt wieder von der Terrororganisation. Warum ist das so?

Was ist passiert?

In der Großstadt Istanbul in der Türkei gab es in der Silvesternacht einen furchtbaren Anschlag. Nach Mitternacht ist ein Mann mit einer Waffe in den angesagten Club „Reina“ gestürmt. Der Mann hat 39 Menschen getötet und konnte in dem Chaos fliehen. Die türkische Polizei sucht mit Hochdruck nach ihm und hat auch Fotos von dem mutmaßlichen Täter veröffentlicht. Mittlerweile hat die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) behauptet, der Täter gehöre zu ihnen.

Auch nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin hatte der IS gesagt, dass er dahinterstecke. So war es auch bei den Anschlägen in Nizza (Frankreich) im Juli, in Brüssel (Belgien) im März oder in Paris (Frankreich) im November 2015. Auch in der Türkei hat der IS schon Anschläge verübt, zum Beispiel im Sommer am Flughafen von Istanbul.

Was ist der IS eigentlich?

Im Jahr 2003 hat der „Islamische Staat“ sich aus einer anderen Terrororganisation entwickelt und ist immer größer geworden.

Die Organisation möchte einen eigenen Staat aufbauen. Mit brutaler Gewalt haben die Kämpfer Gegenden in den Ländern Syrien und dem Irak erobert. In den Gebieten tritt der IS wie eine Regierung auf: Er bestimmt Bürgermeister, betreibt Schulen und gewährt den Kämpfern Urlaubstage. Allerdings gelten dort auch extreme Regeln: Musikhören und Tanzen sind verboten, Frauen dürfen das Haus kaum verlassen und nur Jungs in die Schulen gehen.

Der IS sagt, dass solche Regeln im Koran stehen würden, der heiligen Schrift der Muslime. Allerdings ist es so, dass der IS die Worte aus dem Koran ganz extrem auslegt. Die meisten anderen Muslime auf der Welt deuten das Gottesbuch ganz anders. Sie sagen, dort steht, dass man friedlich zusammenleben soll. Sie wollen nichts mit dem IS zu tun haben.

Warum gibt es Anschläge?

Der IS denkt, dass alle Menschen sich an diese extremen Regeln halten sollten. Und das will er mit Gewalt durchsetzen. Deswegen bekämpft er Menschen, die nicht ihrem Glauben angehören und die ihnen nicht religiös genug sind – Muslime, aber auch Christen. Und er verbreitet in Europa oder den USA  Angst und Schrecken. Dabei finden die Anschläge vor allem dort statt, wo Menschen Freiheit und Freude ausleben. An Flughäfen, auf dem Weihnachtsmarkt oder – wie in Istanbul – in einem Club, in dem sich moderne Türken, Fußballer, Fernsehstars und Touristen zum Feiern treffen.

Wie wird der IS bekämpft?

Unter anderem türkische Soldaten kämpfen gegen den „Islamischen Staat“. (Foto: dpa)

Schon vor mehr als zwei Jahren haben sich verschiedene Länder auf der Welt zusammengeschlossen, um den IS zu bekämpfen. Sie werden von den USA angeführt. Auch die Kurden, eine Volksgruppe aus dem Nahen Osten, bekämpft den IS. Seit einiger Zeit machen das auch türkische Soldaten. Denn Syrien und der Irak, die Länder, in denen der IS verbreitet ist, grenzen an die Türkei. Diese verschiedenen Gruppen haben es geschafft, den IS aus einigen Städten und Regionen zu vertreiben. So konnten sie seine Macht schwächen. Wenn der IS also Anschläge in der Türkei oder anderen Ländern verübt, will sich die Organisation dafür rächen – und zeigen, dass sie immer noch da ist.

Von Angela Sommersberg