Viele Kinder müssen arbeiten

Viele Kinder müssen arbeiten
Salma blickt durch die Fäden. (Foto: B. Flitner/Kindermissionswerk)

Salma knüpft in Indien Teppiche. Die Sternsinger wollen Kinderarbeit verhindern.

Wenn Salma arbeitet, sieht sie die Welt durch einen Vorhang aus Fäden. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren älteren Geschwistern sitzt sie hinter einem riesigen Knüpfstuhl auf einer Holzbank und arbeitet. Knoten für Knoten wächst ihr Werk täglich um sechs bis sieben Zentimeter – bis nach rund zwei Monaten ein Teppich entstanden ist. In Indien, das ist ein riesiges Land im Süden von Asien, werden tausende Teppiche von Hand geknüpft und ins Ausland verkauft. Rund 200.000 Kinder arbeiten als Teppichknüpfer und gehen nicht zur Schule.

Schule statt Arbeit

Als ihre große Schwester vor drei Jahren geheiratet hat, musste Salma ihren Platz am Webrahmen einnehmen. Damals war sie neun Jahre alt. Salma musste den ganzen Tag bei der Arbeit helfen – so wie die meisten Kinder in Milik im Norden Indiens. Doch dann kam Dilip Sevarthi von der Vikas-Stiftung in das Dorf. Er setzt sich dafür ein, dass Kinder nicht arbeiten müssen – sondern zur Schule gehen können. In Milik gründete Dilip Sevarthi eine Dorfschule und konnte vielen Eltern erklären, wie wichtig Bildung ist. Er überzeugte auch Salmas Eltern. „Ich wünsche mir, dass Salma eine gute Bildung bekommt“, sagt ihre Mutter Miriam.

Unterricht im Freien

Jetzt findet im Freien – zwischen Knüpfrahmen und Tieren – von montags bis samstags der Schulunterricht statt. Die Kinder sitzen dabei im Schneidersitz auf dem Boden. Am liebsten mag Salma die Fächer Englisch und Hindi. „Das Lernen in der Schule macht mir viel mehr Spaß als das Teppichknüpfen“, sagt sie. „Später möchte ich einmal Lehrerin werden.“ Zwar hilft die Zwölfjährige ihrer Familie noch immer beim Teppichknüpfen, doch nun bleibt ihr genug Zeit zum Lernen und sogar zum Spielen. Salmas Lieblingsspiel heißt Kabaddi. Das ist ein Mannschaftssport.

Reden über Kinderrechte

Einmal im Monat trifft Salma sich mit allen Dorf-Kindern im Kinderparlament. Hier erfährt sie viel über Kinderrechte. Während die Kinder bei den ersten Treffen noch Unterstützung bekommen, sollen sie bald eigenständig Entscheidungen treffen – ohne Erwachsene. Regelmäßig besuchen die Kinder auch ihre Nachbarn und klären sie über Kinderrechte auf. Einen großen Wunsch haben Salma und die anderen Mitglieder: „Dass alle Kinder in die Schule gehen können und nicht mehr arbeiten müssen!“

Viele Kinder müssen arbeiten

Mehr als 150 Millionen Mädchen und Jungen auf der Welt müssen arbeiten, um ihre armen Familien zu unterstützen. In Indien leben sehr viele dieser Kinder. Die Arbeit ist oft gefährlich und schädlich für die Gesundheit. Trotzdem verdienen die Kinder so wenig, dass sie oft mehr als zwölf Stunden am Tag arbeiten müssen. Das bedeutet auch, dass die Mädchen und Jungen keine Zeit haben, zur Schule zu gehen – und so niemals die Möglichkeit bekommen, einen guten und besser bezahlten Beruf zu erlernen. Und später müssen sie ihre eigenen Kinder dann auch zur Arbeit schicken. Ein Teufelskreis.

Von Susanne Dietmann