Warum hat Selena Gomez eine neue Niere?

Warum hat Selena Gomez eine neue Niere?
Selena Gomez (rechts) mit ihrer Freundin im Krankenhaus (Foto: Instagram/AP)

Die Schauspielerin Selena Gomez hat von ihrer besten Freundin eine Niere gespendet bekommen. Christina Taylan ist Ärztin an der Uniklinik Köln. Sie ist Spezialistin für Nierenprobleme bei Kindern. Sie erklärt, wie so eine Nierenspende funktioniert.

Geht das so einfach – ein Organ von jemand anderem zu bekommen, wenn das eigene nicht mehr funktioniert?

Ja, das ist grundsätzlich möglich, weil bei allen Menschen die Nieren im Prinzip gleich sind. Und weil ein Mensch mit nur einer Niere genauso gut leben kann wie mit zwei. Man muss nur vorher untersuchen, ob derjenige, der die Niere spendet und der, der sie bekommt, zueinander passen. Sonst wird der Körper erkennen, dass die Niere etwas Fremdes ist und sie bekämpfen.

Also kann nicht jeder jedem eine Niere spenden?

Nein. Dass Eltern ihrem Kind eine Niere spenden können, ist aber sehr wahrscheinlich. Weil sie eng verwandt sind und sich dadurch in vielen Merkmalen ähneln, die für eine Organspende wichtig sind. Bei Menschen, die nicht miteinander verwandt sind, ist es schon anders. Außerdem gibt es ein Gesetz, das besagt, dass man nur Menschen eine Niere spenden darf, mit denen man verwandt oder besonders gut befreundet ist. Damit will man verhindern, dass Menschen andere Menschen dazu zwingen, ihre Niere herzugeben oder sie dafür bezahlen.

Wann braucht man überhaupt eine neue Niere?

Wenn die eigenen Nieren so schwach sind, dass sie die Giftstoffe, die im Körper hergestellt werden, nicht mehr rausschaffen können. Dann vergiftet der Körper sich selbst. Es gibt angeborene Krankheiten, bei denen das der Fall ist. Zum Beispiel, wenn die Nieren zu klein sind. Oder wenn jemand eine Autoimmunerkrankung hat – wie Selena Gomez. Das ist, als hätte der Körper eine Allergie gegen sich selbst. Er zerstört dann sein eigenes Gewebe, in ihrem Fall das der Niere. Es gibt da ganz viele verschiedene Erkrankungen.

Was passiert, wenn man keinen Freund oder Verwandten hat, der einem eine Niere spenden kann?

Es gibt auch die Möglichkeit, eine Niere von einem Verstorbenen zu bekommen. Der muss sich als Lebender dazu bereit erklärt haben, seine Organe nach dem Tod zu spenden. Darauf warten allerdings viele kranke Menschen. Deutschland ist Teil der Organisation Eurotransplant, die sich unabhängig und neutral darum kümmert, wer wann eine neue Niere von einem verstorbenen Spender bekommt. Bis es soweit ist, müssen die Kranken regelmäßig eine Blutwäsche (Dialyse) machen. Das heißt, dass das Blut durch Schläuche aus dem Körper in eine Maschine fließt, in der die Giftstoffe rausgewaschen werden, und dann wieder zurück in den Körper. Eine Transplantation ist aber viel besser für den Körper.

Wie funktioniert so eine Transplantation?

Zuerst wird die Niere des Spenders rausoperiert. Dafür wird zuerst ein Schnitt am Bauch gemacht. Dann muss die Niere vorsichtig von den Blutgefäßen und dem Harnleiter getrennt werden. Sie kommt dann in eine Aufbewahrungslösung. Dann wird der, der die Niere braucht, in den Operationsraum gebracht. Der Spender ist dann schon wieder wach. In einer Operation wird beim Empfänger dann die neue Niere mit den Blutgefäßen und dem Harnleiter verbunden.

Kann Selena Gomez nun wieder leben wie vorher?

Eigentlich schon. Sie muss aber ihr Leben lang Medikamente dafür nehmen, dass das Abwehrsystem ihres Körpers nicht mehr so stark ist. Es muss quasi übersehen, dass da was Fremdes in ihrem Körper ist. Außerdem hält eine neue Niere leider auch nicht das ganze Leben, aber doch etwa 25 Jahre, wenn man sie von einem Lebenden bekommt. Die Niere von bereits Verstorbenen hält nur etwa 15 Jahre. Das heißt, wenn Selena Gomez etwa 50 Jahre alt ist, braucht sie eventuell wieder eine Transplantation.

Bekommt jeder eine neue Niere, der eine braucht?

Leider nein. Höchstwahrscheinlich gibt es zwar für jeden Menschen einen anderen, der ihm eine Niere spenden könnte. Aber leider sind zu wenige Menschen dazu bereit. Von den 160 Kindern in Deutschland, die jedes Jahr auf eine Spenderniere warten, wird aber vermutlich jedes auch eine bekommen. Sie warten im Durchschnitt zwei Jahre darauf, dass ihnen jemand eine Niere spendet. Ab einem Gewicht von zehn Kilo können Kinder auch eine Erwachsenenniere bekommen. Erwachsene müssen etwa acht Jahre lang auf eine neue Niere warten.

Warum bekommen Kinder schneller eine neue Niere als Erwachsene?

Weil alle Menschen, die darüber entscheiden, wer zuerst eine Niere gespendet bekommt, wissen, dass für Kinder die Wartezeit viel schlimmer ist. Wer krank ist und Blutwäschen machen muss, kann nicht so gut wachsen, nicht gut lernen und Freundschaften knüpfen.

Schlaumeierwissen über die Nieren:

Jeder Mensch besitzt normalerweise zwei Nieren. Sie sitzen unterhalb der Rippen links und rechts von der Wirbelsäule.

Die Nieren reinigen das Blut. Sie filtern heraus, was für den Körper giftig ist oder nicht mehr gebraucht wird. Dabei entsteht Urin. Der wird von den Nieren über die Harnleiter in die Blase geleitet.

Wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, sammeln sich im Körper schädliche Giftstoffe an. Die Nieren übernehmen aber auch noch andere wichtige Aufgaben, zum Beispiel bei der Blutbildung und beim Wachstum.

Das Gespräch führte Jasmin Krsteski