Gegen Homophobie: „So merkte ich, dass ich schwul bin!“

ARCHIV - Karl Kreile (l) und Bodo Mende gehen am 27.09.2017 in Berlin durch die Motzstraße. Das Paar ist seit 1979 zusammen und gehört am Sonntag deutschlandweit zu den ersten, die ihre eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln lassen. Die Ehe für alle tritt am 1. Oktober in Kraft. (zu «Endlich Ehe für alle - Trauungen auch Sonntags möglich» vom 01.10.2017) Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
In Deutschland dürfen Männer natürlich zeigen, dass sie sich lieben. In anderen Ländern ist dies verboten. (Foto: dpa)

Männer lieben Frauen. Und Frauen lieben Männer. Das klingt im ersten Moment logisch, oder? Aber es ist nicht immer so. Ich bin ein Mann und ich liebe Männer. Ich bin also schwul, oder auch homosexuell. Heute, am Internationalen Tag gegen Homophobie, möchte ich dir erklären, wie es ist, schwul zu sein.

Wie fühlt sich das an, schwul zu sein?

Unser Autor Lukas Hansen. (Foto: privat)

Unser Autor Lukas Hansen. (Foto: privat)

Dass ich schwul bin, ist genauso ein Teil von mir wie meine Augenfarbe oder meine Schuhgröße. Es gehört einfach zu mir und ich denke nicht den ganzen Tag „Oh, ich bin schwul“ – genauso wie ich nicht darüber nachdenke, dass meine Augen blau sind.

Ich bin auch nicht krank oder muss geheilt werden. Ich gehe jeden Tag zur Arbeit, treffe mich gerne mit Freunden, schaue manchmal Fußball, verreise oft – und ich liebe eben Männer. So einfach ist das.

Wie merkt man das?

Mit ungefähr 15 Jahren ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass ich Jungs anziehender finde als Mädchen. Während meine Kumpels in den Pausen Liebesbriefe an Mädchen schrieben, fand ich die Vorstellung, mit einem Jungen zusammen zu sein, viel schöner.

Aber weil ich damals niemanden kannte, der selbst schwul war, dachte ich, dass das nicht normal sein kann. Im Laufe der Zeit habe ich dann in Internetforen mit Gleichaltrigen geschrieben, denen es ähnlich ging. So habe ich Stück für Stück erkannt, dass es gar nicht schlimm ist, homosexuell zu sein.

Wie sagt man es?

Selbst anzuerkennen, dass ich schwul bin, war das eine. Schwieriger war es, anderen Menschen davon zu erzählen. Denn ich wusste nie, wie sie reagieren würden. Damals war ich ja noch in der Schule. Und da sind eben viele Kinder, die so wie ich damals noch nie davon gehört hatten und deswegen ein falsches Bild von Homosexualität hatten. Ich habe damals entschieden, erst einmal mit meinen Eltern zu reden. Ihnen konnte ich mich anvertrauen. Und sie haben mich sofort unterstützt und gesagt, dass sie mich genauso mögen, wie ich bin.

Auch mit sehr engen Freunden konnte ich reden. Denn echte Freunde akzeptieren einen – egal, ob schwul oder nicht! So habe ich nach und nach mit mehr Leuten darüber geredet.

Wie reagieren die Leute?

Ich habe sehr viel Glück. Denn bis heute habe ich eigentlich nie eine schlechte Reaktion bekommen, wenn ich Menschen erzählt habe, dass ich schwul bin.

Aber so geht es leider nicht allen. Selbst manche Eltern haben ein Problem damit, wenn ihre Kinder ihnen sagen, dass sie homosexuell sind. Sie wollen das nicht akzeptieren und ihnen ausreden. Wenn Menschen Homosexualität nicht akzeptieren, nennt man das Homophobie.

Was ist Homophobie?

Nicht alle Menschen finden es gut, dass es Homosexualität gibt. Sie finden zum Beispiel, dass Männer nur Frauen lieben dürfen und andersrum. Viele dieser Menschen verhalten sich böse und beleidigen zum Beispiel homosexuelle Menschen, die sie auf der Straße treffen. Das Problem geht aber noch weiter.

In dem asiatischen Land Saudi-Arabien zum Beispiel ist Homosexualität strafbar. Männer, die offen schwul leben, können im schlimmsten Fall sogar getötet werden.

Wie ist es in Deutschland mit Homophobie?

In Deutschland werden homosexuelle Menschen zum Glück nicht bestraft. Doch tatsächlich gab es noch bis vor 24 Jahren ein Gesetz, dass Homosexualität strafbar gemacht hat. Heute ist das anders. Ich kann als schwuler Mann in Deutschland Händchen haltend mit einem anderen Mann über die Straße laufen, ohne mir Sorgen machen zu müssen.

Doch auch hier gibt es manche Menschen, die denken, dass es falsch ist, wenn man schwul ist. Diese Menschen sehen nämlich nur, dass Homosexualität anders ist, als das, was sie kennen. Davor haben sie Angst. Denn manche Menschen haben vor allem Angst, das fremd ist. Das kann die Sexualität sein, aber auch die Hautfarbe oder die Religion. Dabei müssten sie nur verstehen, dass Dinge, die für sie unnormal sind, für andere Menschen total normal sind!

VON LUKAS HANSEN