Was will der Feminismus?

Was will der Feminismus?
Das Wort "Women" bedeutet "Frauen" auf englisch - hier protestieren Frauen in Berlin für gleiche Rechte. (Foto: dpa)

Mädchen, die Fußball spielen. Und Jungs, die Ballett machen. Das sollte voll okay sein. Der Feminismus kämpft dafür, dass niemand wegen seines Geschlechts komisch angeguckt wird. Wir stellen euch zum Weltfrauentag vor, was der Feminismus will.

Mädchen, die Fußball spielen. Das ist  nichts Ungewöhnliches. Denn dass Frauen genauso erfolgreich kicken können wie Männer, zeigt die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft: Die ist nicht nur zweimal Welt- und achtmal Europameister geworden, sondern hat auch im vergangenen Jahr bei Olympia Gold geholt. Trotzdem werden Mädchen auch heute noch oft komisch angeguckt, wenn sie Fußball spielen. Aber warum ist das so? Das liegt daran, dass viele meinen, dass Fußball Jungssache ist. Und Ballett Mädchenkram. Genau deswegen gibt es die Bewegung Feminismus. Heute, zum Weltfrauentag, erklären wir dir, was das ist. Dabei hilft Karolin Kalmbach von „GeStiK – Gender Studies“ der Universität zu Köln.

Was ist Feminismus?

Das Wort kommt von dem lateinischen Wort „femina“, das heißt Frau. Mit der Endung -ismus beschreibt man eine Ansicht über ein Thema. „Als Feministin guckt man mit einer bestimmten Sicht auf die Welt“, erklärt Karolin Kalmbach. „Und in dieser Welt werden Männer und Frauen unterschiedlich behandelt. Der Feminismus ist die Antwort darauf.“ Denn die Bewegung setzt sich dafür ein, dass Frauen und Männer die gleichen Möglichkeiten haben.

Dass überhaupt alle Menschen die gleichen Rechte haben. Und dass Frauen selbstbestimmt handeln können: dass sie also alleine entscheiden, was sie tun und lassen, wie sie sich kleiden oder die Haare schneiden, welchen Beruf oder welches Hobby sie sich aussuchen. „Feministinnen kämpfen dafür, dass irgendwann jeder machen kann, was er möchte – ohne, dass es Vorurteile gibt.“

Wo kommt das her?

Sehr lange dachten die Menschen in vielen Ländern, dass Mädchen und Frauen weniger wert seien als Jungen und Männer. Frauen wurden von den Männern unterdrückt. In der Geschichte gab es immer wieder große Denkerinnen, die sich das nicht gefallen lassen wollten – aber sie wurden oft nicht gehört. In der sogenannten Zeit der Aufklärung (die begann vor etwa 300 Jahren) gab es einige Frauen, die sagten: Wenn die Wissenschaftler über die Menschen in der Gesellschaft reden, dann meinen sie eigentlich nur die Männer.

Was ist die erste Welle?

So richtig los mit der Frauenbewegung ging es vor etwa 150 Jahren. In den USA und Europa schlossen sich viele Frauen zusammen und kämpften für verschiedene Themen. „Frauen aus reicheren Familien setzten sich dafür ein, dass Mädchen eine bessere Bildung bekamen“, sagt Karolin Kalmbach. Damals durften reiche Mädchen zwar auf besondere Mädchenschulen gehen – dort lernten sie aber vor allem, einen Haushalt zu führen. Einen richtigen Schulabschluss machen und studieren, das durften Mädchen nicht. Die Feministinnen erreichten, dass es ab 1893 an den Gymnasien Kurse für Mädchen gab.

Seit 1908 durften Frauen auch überall in Deutschland studieren. Und noch etwas sehr Wichtiges erkämpfte die Frauenbewegung: Im Jahr 1918 wurde in Deutschland das allgemeine Wahlrecht eingeführt. Frauen und Männer durften jetzt mitbestimmen, welche Politiker im Parlament saßen.

Was ist die zweite Welle?

Doch dann kamen 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht. Sie fanden: Frauen müssen sich um Haushalt und Kinder kümmern. Die Frauen in Deutschland verloren fast alles,  wofür sie gekämpft hatten. Erst als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, bekamen die Frauen ihre Rechte allmählich zurück. 1949 wurde in das deutsche Grundgesetz geschrieben: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Eine richtige Feminismus-Bewegung gab es aber erst ab 1968 wieder. Da gingen viele junge Leute  auf die Straße und demonstrierten  unter anderem für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Damals brauchten Frauen nämlich immer noch für viele Dinge die Erlaubnis ihrer Ehemänner. Das änderte sich erst 1977.

Und heute?

Weltweit protestieren Menschen am Weltfrauentag für Gleichberechtigung, hier zum Beispiel in Bangladesh. (Foto: dpa)

„Vor dem Gesetz sind Frauen und Männer heute quasi gleichgestellt. Trotzdem gibt es im Alltag noch immer viele Ungleichheiten“, sagt Karolin Kalmbach. Zum Beispiel verdienen Frauen statistisch gesehen weiterhin rund 20 Prozent weniger als Männer. Das liegt unter anderem daran, dass Frauen häufig in Berufen arbeiten, in denen man schlechter verdient. Oder dass viele Frauen nur eine halbe Stelle haben, weil sie sich auch noch um ihre Kinder kümmern. Oder dass Frauen oft nicht so gute Positionen in einem Unternehmen bekommen wie Männer.

„Wir dürfen uns jetzt nicht auf dem ausruhen, was Frauen vor 50 oder 100 Jahren für uns erkämpft haben“, sagt Karolin Kalmbach. „Wir müssen uns die Situation der Frauen immer wieder genau anschauen und aufpassen, dass wir keine Rückschritte machen.“ Damit irgendwann wirklich niemand mehr blöd guckt, wenn Mädchen zum Fußballtraining gehen.

Von Angela Sommersberg

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