Die Geschichten hinter #MeToo

Die Geschichten hinter #MeToo
Angelina Jolie sagt, sie sei auch von Henry Weinstein belästigt worden. (Foto: dpa)

Ich auch! Das schreiben seit einiger Zeit viele Frauen im Internet. Die meisten benutzen dafür zwei englische Wörter und das Raute-Symbol: #MeToo. Doch worum geht es dabei? Das erklären wir heute zum Weltfrauentag.

Was bedeutet #MeToo?

Die beiden Wörter sind Englisch und bedeuten „Ich auch“. Das Raute-Symbol wird in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram oft benutzt – dort heißt es Hashtag. Es erfüllt eine wichtige Aufgabe: Nach der Raute steht nämlich das Thema des Beitrags. Wenn du also zum Beispiel nach #koeln suchst, kannst du dir alle Beiträge anschauen, die jemand mit diesem Hashtag markiert hat. Ohne diese Markierung würde man sich bei dem ganzen Zeug im Internet nur schlecht zurechtfinden.

Worum geht es dabei?

Wenn Frauen Sachen unter #MeToo posten, beschreiben sie meist, wie Männer sie schlecht und ungerecht behandelt haben. Denn obwohl Männer und Frauen vor dem Gesetz gleichberechtigt sind, haben Männer auch heute oft noch mehr Macht als Frauen: Männer sind häufiger Chefs und verdienen oft mehr Geld. Deswegen behandeln manche mächtige Männer Frauen schlecht und respektlos.

Viele Frauen schreiben auch, dass ein Mann sie berührt hat – obwohl sie das nicht wollten und sich unwohl gefühlt haben. Das nennt man sexuelle Belästigung. Von Belästigung spricht man, wenn ein Mensch einem anderen zu nahe kommt und eine Grenze überschreitet. Trotzdem trauen sich viele Frauen nicht, sich gegen diese Männer zu wehren. Seit es #MeToo gibt, berichten aber mehr Frauen von ihren Erfahrungen.

Wie hat es angefangen?

Los ging die ganze Geschichte im Oktober vergangenes Jahr. Mehrere Schauspielerinnen aus den USA beschuldigten den Film-Produzenten Harvey Weinstein, sie sexuell belästigt zu haben. Sie erzählten zum Beispiel, dass Harvey Weinstein sie gebeten habe, abends auf sein Zimmer zu kommen und dass er dann wollte, dass sie sich ausziehen. Immer mehr Frauen berichteten von ähnlichen Erfahrungen. Darunter waren auch die bekannten Schauspielerinnen Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow.

Doch warum hatten sie vorher nichts gesagt?

Weil Harvey Weinstein ein sehr mächtiger Mann im Filmgeschäft war und bestimmen konnte, ob und welche Frau eine Rolle bekam. Die Frauen hatten Angst um ihren Job und dass ihnen niemand glaubt. Viele schämten sich auch. Eine Schauspielerin forderte Frauen dann dazu auf, ihre Geschichte unter dem Hashtag #MeToo zu erzählen. Und dann brach eine Welle los: Überall auf der Welt berichteten Frauen von sexueller Belästigung. Denn die gibt es nicht nur im Filmgeschäft in den USA – sondern in allen Ländern und allen Berufen und auch Männer werden von Frauen belästigt.

Wie geht es jetzt weiter?

Aber warum erzählen die Frauen ihre Geschichten überhaupt? Zunächst aus einem einfachen Grund, den auch du kennst: Wenn man etwas erlebt hat, das einen belastet, und man es dann erzählt, geht es einem danach besser. Und wenn viele schreiben, wissen die anderen: Das ist nicht nur mir passiert, ich bin nicht alleine. Und natürlich möchten die Frauen auch, dass die Täter bestraft werden. Auf lange Sicht kämpfen Frauen so auch für mehr Gleichberechtigung. Denn: Es darf nicht sein, dass manche Männer immer noch mächtiger sind als Frauen und sie schlecht behandeln können.

Von Angela Sommersberg

Und du?

Hast du das Gefühl, dass dir jemand zu nahe kommt? Dass jemand eine Grenze überschreitet? Oder hat dich sogar jemand berührt, obwohl du das nicht wolltest? Dann solltest du auf jeden Fall mit einem Erwachsenen sprechen, dem du vertraust. Zum Beispiel deinen Eltern, Großeltern oder dem Vertrauenslehrer. Denn so etwas darf nicht passieren – und es ist auf keinen Fall deine Schuld!

Wenn du lieber erstmal mit jemand sprechen möchtest, den du nicht kennst, kannst du bei der „Nummer gegen Kummer“ anrufen: ? 116 111.

In Köln kann dir außerdem „Lobby für Mädchen“ helfen. Mehr darüber erfährst du hier:
lobby-fuer-maedchen.de