Ist das nice, oder was?

Ist das nice, oder was?
"Smombie" war das letzte Jugendwort des Jahres. Es bezeichnet eine Person, die ständig auf ihr Handy starrt und nichts mehr mitbekommt. (Foto: dpa)

Weißt du, was ein Smombie ist? Das ist ein Mensch, der so viel auf sein Handy starrt, dass er die Umgebung gar nicht mehr richtig wahrnimmt. Smombie ist aus den Wörtern Smartphone und Zombie zusammengesetzt. Und vor zwei Jahren wurde es zum Jugendwort des Jahres gewählt. So ein Wort wird jedes Jahr gewählt – in diesem Jahr hat „I bims“ gewonnen. Es bedeutet: „Ich bin es“. Ganz unten findest du die gesamte Liste der Top 30. Aber was sind Jugendwörter eigentlich? Und wer wählt sie?

Was ist das?

Ein Jugendwort ist ein Begriff, den Kinder und Jugendliche benutzen. Entweder die Jugendlichen erfinden ein neues Wort oder sie benutzen ein altes Wort in einem neuen Zusammenhang. Das wichtige ist aber: Erwachsene verstehen dieses Wort nicht. Für sie hört es sich an als würde es aus einer fremden Sprache kommen. Dass Teenager in so einer Art Geheimsprache miteinander sprechen, ist ganz normal. Schließlich sollen die Eltern und Lehrer nicht alles mitbekommen.

Wie wird gewählt?

Der Verlag Langenscheidt gibt Wörterbücher heraus. Deswegen findet er es gut, wenn Kinder sich mit Sprache beschäftigen. Er will aber auch zeigen, dass Jugendliche kreative Wörter benutzen. Deswegen hat der Verlag nun zum zehnten Mal das Jugendwort des Jahres gekürt.

Die Wahl ist ein bisschen kompliziert: Teenager können dem Verlag Wörter schicken, die sie wichtig finden. Daraus wählt eine Jury 30 Wörter aus. Die stehen dann auf einer Liste im Internet – und Jugendliche können für ihr Lieblingswort abstimmen. Dieses Jahr haben mehr als eine Million Leute mitgemacht. Die besten zehn Wörter bekommt dann eine Jury aus Jugendlichen und Experten vorgelegt – und die stimmt dann endgültig über das Wort ab. 2017 hat „I bims“ sie am meisten überzeugt.

Wir haben unseren Kinderreportern die Liste mit den 30 Jugendwörtern gezeigt und sie gefragt: Kennt ihr die? Benutzt ihr sie? Die Antworten waren ganz unterschiedlich! Aber lies selbst:

Fritz: Nice ist cool, Bruh nervt!

Fritz (10) (Foto: Goyert)

Ich kenne viele Wörter von der Liste. Mein Lieblingswort ist „nice“ – das sage ich auch oft. Das Wort „Bruh“ (Bruder) geht mir voll auf die Nerven, weil manche es so oft sagen. „Ich bin so fly“ (Ich mach das!) finde ich auch gut. „Fly“ oder „unfly“ alleine habe ich aber noch nie gehört. Viele der Wörter kenne ich vom Computerspiel „Minecraft“. Da sagen die Mitspieler dann zum Beispiel „looten“, wenn sie eine Kiste öffnen oder klauen. Ich finde es nice, dass es eine Liste gibt. Alles auf einen Blick, obwohl man merkt, dass Erwachsene die Liste gemacht haben, weil manche Wörter schon wieder vorbei sind. Kann aber sein, dass die in Berlin oder so noch gebraucht werden. An meiner Schule in Köln jedenfalls nicht. Wenn die Abstimmung zu Ende ist, ist das Jugendwort wahrscheinlich schon wieder alt und es gibt neue. Trotzdem nice!

Marla: Fragezeichen im Kopf

Marla (10) (Foto: Goyert)

„Unfly? Was heißt denn das?“, dachte ich als erstes, als ich die Abstimmung zum besten Jugendwort gesehen habe. Tacken, i bims oder Merkules sind andere Worte auf der Liste. Tausend Fragezeichen schossen mir durch den Kopf. Okay nicht tausend, aber vielleicht zwanzig. Ich kannte tatsächlich ein paar Worte. Neben den anderen stand zum Glück die Übersetzung. Denn auch wenn ich zu den Jugendlichen zähle, bedeutet das nicht, dass ich alle Wörter kenne, geschweige denn benutze. Ich bin gespannt, welches Wort dann gewählt wird. Übrigens: Unfly heißt uncool.

Johann: Komisch, aber unbekannt

Johann (11) (Foto: Goyert)

Durch die Liste habe ich viele neue Wörter kennengelernt, da ich bis auf „Dab“ (das ist eine Tanzfigur) keins kannte. Die Wörter, die zur Wahl stehen, sind – zumindest auf meinem Schulhof – nicht geläufig. Zum Glück werden die ganzen Wörter auf der Liste nicht regelmäßig benutzt, denn das wäre schon etwas seltsam. Trotzdem finde ich die Aktion ziemlich witzig, weil es sehr komische Wörter in die Auswahl geschafft haben: vom „tacken“ (Nachricht schicken, während man auf dem Klo sitzt) bis zum „Teilzeittarzan“ (jemand, der sich manchmal wie ein Affe verhält) ist alles dabei.

Die Top 30 der Jugendwörter 2017 (und ihre Erklärung):

Ahnma – Aufforderung: Versuche, es zu verstehen
belastend – unschön, unangenehm
Bruh – Abwandlung von Bro, Bruder
Dab – Tanzfigur, bei der eine Hand vors Gesicht und die andere schräg nach oben gehalten wird
emojionslos – ohne Emojis (Smilies beim Chatten)
fermentieren – kontrolliertes Gammeln
fernschimmeln – nicht am gewohnten Platz chillen
gefresht – ohne Durst, sitt
GEGE – Good Game, gg, drückt Zufriedenheit aus (aus Computerspiele-Jargon)
geht fit – geht klar, passt
I bims – Ich bin
lit – sehr cool
looten gehen – einkaufen gehen (aus dem Englischen für „Beute“)
Merkules – Mischung aus Angela Merkel und Herkules
napflixen – ein Nickerchen machen und dabei einen Film laufen lassen
nicenstein – perfekt, allen Wünschen entsprechend
Noicemail – nervige Sprachnachricht
schatzlos – single
selfiecide – Tod durch den Versuch, ein Selfie zu machen
sozialtot – nicht in sozialen Netzwerken angemeldet
Squad – extrem coole Gruppe
tacken – Nachrichten schicken, während man auf dem Klo sitzt (Mischung aus texten und kacken)
Teilzeittarzan – Jemand, der sich hin und wieder wie ein Affe verhält
Textmarkeraugenbrauen – stark betonte, akkurate Balken anstelle von Augenbrauen
tinderjährig – alt genug, die Dating-App Tinder zu nutzen
trumpeten – große Versprechen machen, ohne an die Folgen zu denken
unfly – uncool
unlügbar – definitiv, unbestritten
vong – von
Was ist das für 1 Life? – Ausdruck von Erstaunen in einer außergewöhnlichen Situation

Von Angela Sommersberg