Helmut Kohl: So lange regierte kein anderer

Helmut Kohl: So lange regierte kein anderer
Helmut Kohl war lange deutscher Bundeskanzler. Jetzt ist er gestorben. (Foto: dpa)

Länger hat das noch niemand geschafft: Mehr als 16 Jahre lang war Helmut Kohl Bundeskanzler von Deutschland. In den Jahren 1982 bis 1998 wurde er vier Mal wiedergewählt. Jetzt wurde bekannt: Helmut Kohl ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Helmut Kohl wurde am 3. April 1930 in Ludwigshafen im Bundesland Rheinland-Pfalz geboren. Schon mit 17 trat er der Partei CDU bei. Später studierte er Rechts-, Sozial- und Staatswissenschaften und promovierte mit 28 an der Universität. Das bedeutet: Er durfte von da an den Titel „Doktor“ tragen. Er heiratete seine Frau Hannelore und bekam mit ihr zwei Söhne.

Erkennst du sie? Die heutige Kanzlerin Angela Merkel (links) 1998 mit dem damaligen Kanzler Helmut Kohl (rechts, Foto: dpa)

Zuerst setzte er sich in seiner Partei lange in seiner Region ein. Er bekleidete verschiedene Positionen im rheinlandpfälzischen Landtag. In den 70er-Jahren war er sieben Jahre lang Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Danach wechselte er in die Bundespolitik, die wichtige Themen für ganz Deutschland entscheidet.

Am 1. Oktober 1982 wird Kohl zum deutschen Bundeskanzler gewählt. Es ist das wichtigste Amt in der deutschen Politik. Kohl ist der sechste Kanzler. Da ahnt noch niemand: Es werden noch viele Male folgen, in denen Kohl als Kanzler ausgerufen wird. Kein anderer Politiker hat es geschafft, so oft wiedergewählt zu werden, wie Helmut Kohl: Bis 1998, knapp 16 Jahre lang, bleibt er der Chef der deutschen Politik. So wie Kinder heute nur Angela Merkel als Kanzlerin kennen, hatten viele Kinder in den 80ern und 90ern noch nie einen anderen Kanzler erlebt als Helmut Kohl.

Kanzler der Einheit

Menschen in Ostdeutschland feiern Helmut Kohl 1990 bei einer Wahlkampfveranstaltung. (Foto: dpa)

Helmut Kohl hat in seiner langen Amtszeit viele wichtige Dinge getan und erlebt. In Erinnerung bleibt er vor allem wegen einer großen Leistung: Unter ihm wurde Deutschland wieder vereint. Deswegen wird Helmut Kohl auch „Kanzler der Einheit“ genannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland in die Bundesrepublik im Westen und die DDR im Osten geteilt. Die Bewohner der DDR durften ihr Land nicht verlassen, in Berlin hinderte sie sogar eine hohe Mauer daran. Die Regierung in der DDR hatte Angst, sie würden nicht mehr zurückkehren. Helmut Kohl war der Bundeskanzler der Bundesrepublik im Westen. Als die Mauer fiel und die beiden Teile wieder zu einem Deutschland wurden, wurde er zum Bundeskanzler dieses neuen, ganzen Deutschlands.

Hände halten als Symbol der Freundschaft

Wichtige Geste für die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich: Helmut Kohl (rechts) und der französische Präsident Mitterrand reichen sich die Hände. (Foto: dpa)

Außerdem hat Helmut Kohl ein wichtiges Zeichen gesetzt: Auf einem französischen Soldatenfriedhof reichen er und der französische Präsident Francois Mitterrand sich 1984 die Hände (siehe Foto rechts). Die Geste wird zu einem politischen Symbol: Sie zeigt, dass Frankreich und Deutschland sich wieder näher kommen und versöhnen. Denn in der Vergangenheit haben die beiden Länder oft Krieg gegeneinander geführt – was viele Menschenleben gekostet hat.

Aber nicht alles lief in der Karriere von Helmut Kohl reibungslos. Es wurde bekannt, dass seine Partei CDU unter seiner Führung jahrelang Spendengelder annahm, ohne sie korrekt zu melden. Das ist Parteien verboten.

Mit 87 gestorben

Nachdem seine erste Ehefrau Hannelore starb, heiratete Helmut Kohl 2008 Maike Richter. In den letzten Jahren ging es dem ehemaligen Kanzler gesundheitlich schlecht – er musste oft im Krankenhaus behandelt werden und saß zeitweise im Rollstuhl. Aus der Öffentlichkeit zog er sich beinahe vollständig zurück. Er gab keine Interviews mehr und nahm nur noch selten an großen Veranstaltungen teil. Am Freitag wurde bekannt: Mit 87 Jahren ist Helmut Kohl gestorben.

Von ann, dpa

 

Tags: