Nach Sensationsfund: Räuber Hotzenplotz ist wieder da

Illustration: Thorsten Saleina aus dem Buch
Illustration: Thorsten Saleina aus dem Buch "Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete. Thienemann Verlag

Im Buch „Hotzenplotz 3“ steht ganz vorne, noch bevor die Geschichte losgeht: „Das ist die endgültig letzte Kasperlgeschichte von Otfried Preußler“. Vor 45 Jahren ist das Buch veröffentlicht worden. Und jetzt? Liegt seit heute eine neue, eine vierte Geschichte über den Räuber im Buchladen. „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ heißt die. Doch – wie kann das sein? Vor allem, da der Autor schon vor fünf Jahren gestorben ist?

Wer war Preußler?

Otfried Preußler hat viele tolle Kinderbücher geschrieben. (Foto: dpa)

Otfried Preußler ist einer der berühmtesten deutschen Kinderbuchautoren. Er hat sich Bücher wie „Die kleine Hexe“, „Das kleine Gespenst“ oder „Krabat“ ausgedacht. Damals, als er „Krabat“ schrieb, hatte er eine Schreibblockade. Deswegen hat er sich die Geschichte um den Räuber Hotzenplotz ausgedacht. Denn Kasperle-Theater liebte Otfried Preußler schon immer.

Und die Gegenspieler vom bösen Hotzenplotz sind schließlich die beiden guten, cleveren Figuren Kasperl und Seppel. Eigentlich hatte Preußler nur ein Hotzenplotz-Buch schreiben wollen. Doch seine Leser liebten die Geschichte so sehr, dass sie ihn baten, Fortsetzungen zu schreiben. Deswegen erschien im Jahr 1969 „Neues vom Räuber Hotzenplotz“ und 1973 „Hotzenplotz 3“. Doch dann sollte Schluss sein.

Wo kommt das Buch her?

Illustration: Thorsten Saleina aus dem Buch "Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete. Thienemann Verlag

Illustration: Thorsten Saleina aus dem Buch „Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete. Thienemann Verlag

Otfried Preußler starb im Februar 2013, da war er 90 Jahre alt. Letztes Jahr entdeckte seine Tochter Susanne in einer Truhe Blätter mit einer weiteren Hotzenplotz-Geschichte, aus der ein Theaterstück werden sollte. Doch offenbar hatte der Schriftsteller sie vergessen. Susanne Preußler-Bitsch war total überrascht, wusste aber sofort, dass sie da etwas Tolles gefunden hatte. Sie überarbeitete die Geschichte. Eigentlich sollte sie im Juli veröffentlicht werden. Doch die Leute waren so aufgeregt, als sie von dem Buch hörten, dass das Buch doch schon heute veröffentlicht wird.

Gibt es andere?

Foto: Verlag

Aber wie kann es sein, dass ein Autor eine Geschichte schreibt – und sie dann vergisst? Tatsächlich kommt so etwas vor. Es gibt Autoren, die sehr, sehr viel schreiben – wie Otfried Preußler. Manchmal fangen sie mit einer Geschichte an und machen sie nicht fertig. Oder sie schreiben sie fertig, wollen sie aber nochmal überarbeiten. Dazu haben sie vielleicht keine Lust oder Zeit. Und während sie leben, interessiert sich niemand dafür, weil sie andere tolle, neue Geschichten schreiben. Aber wenn sie tot sind, dann sind solche halbfertigen Texte eben etwas ganz Besonderes. So wurden zum Beispiel auch von der schwedischen Autorin Astrid Lindgren noch Texte nach ihrem Tod veröffentlicht.

Ich durfte die neue Geschichte schon lesen. Ich verrate dir, wie ich sie fand.

Räuber Hotzenplotz 4

Otfried Preußler hat „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ vor Teil zwei und drei geschrieben. Deswegen ist Hotzenplotz noch ein richtiger Bösewicht und nicht so zahm wie in Teil drei. Der Räuber ist aus dem Gefängnis ausgerissen – nur zwei Wochen, nachdem Kasperl und Seppel ihn dort hineingebracht haben. Jetzt verbreitet er wieder Angst und Schrecken. Kasperl und Seppel wollen ihn mit einem Trick wieder einfangen. Der hat was mit einer Mondrakete zu tun…

Natürlich spielen auch die Großmutter und der verpeilte Wachtmeister Dimpfelmoser eine Rolle. Auch die Sprache hört sich richtig nach Otfried Preußler an, mit bayrischen Wörtern wie „Buben“ und „Schwammerl“ (das heißt übrigens Pilze). Zwei Sachen jedoch sind anders als in den Klassikern: Die Geschichte ist nur halb so lang. Und die Illustrationen sind nicht schwarz-weiß, sondern bunt. Aber: Thorsten Saleina hat richtig coole Bilder gezeichnet, die moderner aussehen, aber immer noch wie Hotzenplotz.

Otfried Preußler: „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“, Thienemann, 64 Seiten, 12 Euro, ab 6 Jahren

VON ANGELA SOMMERSBERG

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