Früher waren die Mariechen Männer

Rote fFunken machen eine Pause vom Karnevalstreiben. (Foto: dpa)
Die Roten Funken waren eine der ersten Karnevalsgruppen in Köln. (Foto: dpa)

Sie gehören zum Karneval wie Kostüme, Kamelle und kölsche Lieder: Die Karnevalstanzgruppen mit ihren Funkenmariechen. Mehr als 30 für Erwachsene und genauso viele speziell für Kinder gibt es allein in Köln. Und in diesem Jahr bekommen die Gruppen extra viel Aufmerksamkeit für ihr hartes Training. Denn das Sessionsmotto 2018 lautet „Mer Kölsche danze us der Reih“, also „Wir Kölsche tanzen aus der Reihe“. Kannst du dir vorstellen, dass früher gar keine Frauen mittanzen durften?

Aber seit wann gibt es eigentlich Karnevalstanz? Und wie hat sich das entwickelt? Das haben wir Biggi Fahnenschreiber gefragt. Sie ist 86 Jahre alt, ehemalige Ballerina, und hat in ihrem Leben viele Kölner Karnevalstanzgruppen trainiert.

Seit wann gibt es Karnevalstanz?

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (M) geht am 04.02.2016 in Köln (Nordrhein-Westfalen) zusammen mit Mitgliedern der den Karnevalsgesellschaft "Rote Funken" und dem Dompropst Gerd Büchner (2.v.r.) um den Dom vor Wildpinklern zu schützen. (Foto: dpa)

Die Roten Funken mit Henriette Reker vor dem Dom. (Foto: dpa)

Das Jahr 1823 ist für den Kölner Karneval sehr wichtig. Zwar gab es schon vorher Karneval in Köln, aber der war sehr chaotisch. 1823 gründete sich dann das Kölner Festkomitee. Es ordnete das Chaos und rief den Rosenmontagszug ins Leben. Und weißt du, wer damals neben bekannten Gruppen wie den Roten Funken auch schon dabei war? Eine Tanzgruppe! Nämlich die „Hellige Knäächte un Mägde“.

„Die Hellige Knäächte un Mägde“ ist die älteste Karnevalstanzgruppe Kölns“, sagt Biggi Fahnenschreiber. Die Gruppe bestand aus Knechten und Mägden von den Bauernhöfen, die rund um die Innenstadt gelegen waren, und war schon vorher auf Volksfesten unterwegs. Später gründeten sich immer mehr Karnevalsgruppen, viele von ihnen hatten auch eigene Tanzgruppen.

Was ist mit dem Funkenmariechen?

Hast du dich schon mal gefragt, warum bei manchen Tanzgruppen nur ein einziges Funkenmariechen tanzt – und in anderen viele? Das liegt an den sogenannten Traditionskorps: Das sind neun sehr alte und spezielle Karnevalsgruppen (dazu gehören unter anderem die Roten Funken, die Ehrengarde der Stadt Köln oder das Reiter-Korps Jan von Werth), die auch Tanzgruppen haben.

Und bei den Traditionskorps gibt es immer nur eine Tänzerin, das Solo-Mariechen. „Dieses Mädchen muss so viel ausstrahlen und können, dass sie die ganze Gruppe präsentieren kann“, sagt Biggi Fahnenschreiber. Bei den anderen Karnevalstanzgruppen gibt es meistens Tanzpaare, also mehrere Mariechen plus Männer. Aber auch hier gibt es oft ein Paar, das besonders gut ist und im Vordergrund steht.

Wie ging es weiter?

Sehr lange Zeit tanzten übrigens Männer die Rolle des Mariechens. So wie heute die Jungfrau im Dreigestirn noch ein Mann ist. „Karneval war sehr lange nur etwas für Männer“, sagt Biggi Fahnenschreiber. Erst Ende der 1930er Jahre durften langsam auch Frauen im Karneval mittanzen. Einzige Ausnahme: Die „Hellige Knäächte un Mägde“, denn dort hatten ja von Anfang an Jungs und Mädchen mitgemacht. Die Frauen waren begeistert vom Karnevalstanz.

Biggi Fahnenschreiber erzählt, dass die bekannte Gruppe „Die Luftflotte“ eine Zeit lang eine reine Mädchengruppe war. Heute machen aber auch Männer dort mit. Übrigens haben Biggi Fahnenschreiber und ihr Tanzpartner Peter Schnitzler den Karnevalstanz in den vergangenen 60 Jahren ganz schön verändert: Die beiden haben die bekanntesten Gruppen in Köln trainiert – und mit ihnen Ballett geübt. Neben typischen Ballettschritten haben sie so auch die bekannten Hebefiguren der Mariechen in den Karneval gebracht.

Von Angela Sommersberg