So werden Äpfel angebaut

So werden Äpfel angebaut
Die Bäume werden extra klein gehalten, damit man die Früchte ganz leicht abpflücken kann. (Foto: Duda)

Wenn du einen Apfel essen möchtest, gehst du in den Supermarkt und kaufst dir einen. Dass es dort das ganze Jahr über genug Äpfel gibt, ist für die meisten Menschen gar keine Frage. Dabei ist das gar nicht so selbstverständlich. Denn bis im Herbst viele Feldfrüchte reif sind, kann eine ganze Menge schiefgehen, Trockenheit oder Unwetter können die Ernte vernichten. Wir haben den Landwirt Roland Schmitz-Hübsch in Bornheim besucht.

Seit 1896, also schon seit mehr als 120 Jahren, baut seine Familie auf dem Obsthof zwischen Köln und Bonn vor allem Äpfel, aber auch Birnen und Kirschen an. Mitte August beginnt dort die Erntezeit und geht bis Ende Oktober. Wir durften bei einer Ernte zuschauen.

So wachsen die Äpfel

Ganz verschiedene Sorten wachsen auf dem Apfelhof. (Foto: Duda)

16 verschiedene Apfelsorten wachsen auf etwa 100.000 Apfelbäumen auf dem Obsthof Schmitz-Hübsch. „Zari“, „Wellant“ oder „Karneval“ heißen die verschiedenen Sorten, die alle unterschiedlich schmecken. Die Bäume sehen anders aus als die, die du vielleicht aus deinem Garten kennst. Sie sind klein, schmal und sie wachsen in langen, regelmäßigen Reihen. Warum das so ist, erklärt Roland Schmitz-Hübsch: „So kann man sie besser vom Boden aus pflücken und pflegen.“

Dafür müssen alle Bäume veredelt werden. Das bedeutet, man nimmt den Stamm eines Baumes, der nur wenig wächst. Und dann verbindet man den jungen Ast eines guten Apfelbaumes, der viele und tolle Früchte trägt, mit diesem Stamm. Wenn er festgewachsen ist, wird die Apfelsorte vom guten Baum an einem Stamm wachsen, der nicht groß wird. „Das ist, als hätte ein tolles Sportboot einen ganz schwachen Motor“, sagt der Bauer. „Das kann auch nicht schnell fahren.“

Pflege

Mit Wasser aus diesen Schläuchen werden die Bäume gegossen. (Foto: Duda)

Auf seine Apfelbäume muss der Landwirt gut aufpassen. Ist es zu heiß, muss er sie regelmäßig gießen. Dafür gibt es Bewässerungsschläuche am Boden, aus dem Wasser heraustropft. Oben gibt es noch ein weiteres Wasserrohr: Wenn es im Frühjahr nochmal richtig kalt wird, dann bespritzt der Bauer damit seine Bäume. Das Wasser gefriert dann auf den jungen Blüten. Das hört sich zwar komisch an, aber: Dadurch wird die sogenannte „Erstarrungswärme“ frei, die verhindert, dass die Blüten erfrieren. Unter dem Eis ist es also wärmer als an der Luft.

Sieben Mal musste der Landwirt das in diesem Jahr machen. „Sonst könnten wir jetzt keine Äpfel ernten.“ Außerdem hängen über den Bäumchen Netze. Sie schützen die Bäume vor Hagel, der sonst viele Äpfel zerschlagen würde. Und kleine oder schlechte Äpfel müssen rechtzeitig von den Bäumen gepflückt werden, damit der Baum mehr Kraft in die guten Äpfel stecken kann.

Die Ernte

Vorne ein Traktor, hinten viele Kisten für Äpfel: Das ist der Erntezug. (Foto: Duda)

Mit dem Erntezug fahren die Erntehelfer durch die Reihen zwischen den Apfelbäumen. Der Zug ist eigentlich ein kleiner Traktor mit mehreren Anhängern hintendran, auf dem große Holzkisten stehen. Der Traktor fängt ganz langsam – und wie von Geisterhand alleine! Der Erntehelfer vorne muss aber manchmal gegenlenken, damit der Zug nicht in die Bäume fährt.

Die Arbeiter laufen – auf jeder Seite zwei – neben dem Zug her, pflücken die reifen Äpfel und geben sie in die Kisten. Äpfel, an denen ein Vogel gepickt hat oder die nicht schön aussehen, kommen in Eimer. Sie werden später zu Saft. Etwa 80 bis 90 Äpfel reifen auf jedem Baum heran, aber sie sind nicht alle gleichzeitig reif. Jeder Baum muss etwa drei bis vier Mal geerntet werden.

Lagerung

Am besten halten die Äpfel, wenn es kalt ist. (Foto: Duda)

„Äpfel atmen wie wir Menschen“, sagt Roland Schmitz-Hübsch. Das heißt, sie verbrauchen Sauerstoff und geben Kohlendioxid ab. Damit sie lange frisch bleiben und schmecken, kommen sie in spezielle Lagerräume. Die sind sehr hoch und werden durch ganz dicke, gelbe Stahltüren verschlossen. „Dort schlafen die Äpfel“, erklärt der Landwirt.

In diesen Räumen ist es richtig kalt. Außerdem werden sie luftdicht verschlossen, das heißt, dass kein Sauerstoff hineinkommt. Es riecht darin wie nach Apfelparfüm: Süß-säuerlich. So „schlafend“ verbrauchen die Äpfel wenig Energie und bleiben lange frisch – sogar länger als ein Jahr lang!

Verkauf

Oder es wird Apfelsaft oder Apfelessig aus ihnen gemacht! (Foto: Duda)

Später werden die Äpfel entweder direkt verkauft… (Foto: Duda)

Weil es auf diese Weise eigentlich immer Äpfel bei uns gibt, bräuchten wir in Deutschland gar keine aus dem Ausland zu importieren. Doch häufig ist es für die Supermärkte billiger, Äpfel aus dem Ausland wie zum Beispiel Neuseeland zu kaufen. Denn in Deutschland gibt es strenge Richtlinien beim Anbau – und die einzuhalten kostet die Bauern viel Geld. Roland Schmitz-Hübsch verkauft seine Äpfel nur im hofeigenen Laden. Und zwar nicht nur die Früchte, sondern auch Apfelchips, Apfelsaft, Apfelmus und Apfelgelee.

Du willst auch mal den Hof besuchen? Obsthof Schmitz-Hübsch, Bonn-Brühler-Straße 14, 53332 Bornheim, zur Homepage des Apfelhofes hier entlang: www.schmitzhuebsch.de/

Von Jasmin Krsteski