„Violett“ tanzt sich nach oben

„Violett“ tanzt sich nach oben
Die Tanzgruppe "Violett" ist in der Liga aufgestiegen. (Foto: Michael Bause)

Liga, Mannschaft, Turnier, Relegation, Aufstieg. Bei solchen Worten denkt man an Sportarten wie Fußball. Aber nicht an Jazz-Dance. Und doch können diese Worte auch im Tanzsport eine Rolle spielen. Nämlich dann, wenn man mit seiner Formation gegen andere Gruppen antritt und von Richtern bewertet wird. So wie die Gruppe „Violett“ aus Köln.

Gerade haben die 13 Tänzerinnen den ersten Platz in der Jugendlandesliga West I belegt – und steigen in der nächsten Saison in die höchste Liga im Jugendtanzsport auf. Wir haben „Violett“ beim Training besucht.

Die Gruppe

„Violett“ gibt es seit 2014. Die Gruppe gehört zur Tanzschule 60/30 in Köln-Nippes. 13 Mädchen tanzen hier, sie sind zwischen zehn und 13 Jahre alt. Emma (11) und Elena (12) sind von Anfang an dabei. Beide haben mit vier Jahren begonnen zu tanzen. Donnerstagabends und jeden zweiten Samstag treffen die Mädchen sich zum Jazz-Training, dazu kommt noch einmal die Woche Ballett. „Ich mag Ballett“, sagt Elena, „aber Jazz macht einfach mehr Spaß. Da kann man alles rauslassen.“ Denn obwohl sich natürlich auch der Jazz-Dance an Regeln halten muss, ist diese Tanzart nicht so streng wie Ballett. Beim Jazz darf man sich mal fallen lassen, die Füße nicht ganz so doll strecken oder mit dem Körper über den Boden rollen.

Das Training

Übungen auf dem Boden sind im Jazzdance normal. (Foto: Bause)

Das Rollen üben die Mädels schon beim Aufwärmen: Sie liegen auf dem Rücken, ziehen ein Bein an, rollen sich zu einem Päckchen zusammen, dehnen sich. Sechs Übungen machen die Tänzerinnen zum Aufwärmen, sie folgen einem festen Schema und dem Takt der Musik. Es laufen: Ed Sheeran, Sia oder Alice Merton.

Danach trainieren die Mädchen noch Spagat, Brücke und Drehungen. Als bei den dreifachen Drehungen Chaos ausbricht, wird Trainerin Analena Schwarz ein bisschen streng. Sie will, dass die Mädchen sich konzentrieren, damit zumindest die doppelten Drehungen gut funktionieren. Das klappt.

Die Choreographie

Nach den Übungen tüftelt die Trainerin mit den Mädchen an der Choreographie. Heute zeigen sie uns nochmal die, mit der sie gewonnen haben. Zu dem Lied „Pure Pleasure Seeker“ von Moloko bewegen sich die Mädchen durch den Raum. Erst zeigt die ganze Gruppe die gleiche Choreographie, dann bewegen sich ein paar Mädchen weg, stellen sich in den Kreis, heben ein Mädchen hoch. Zum Teil erinnert der Tanz an Akrobatik. „Ich hebe Pia hoch“, erzählt Elena. „Die muss sich darauf verlassen können, dass ich genug Kraft habe, um sie zu halten.“ Die Zuschauer wissen gar nicht, wo sie zuerst hinschauen sollen. „Beim klassischen Bühnentanz machen alle Tänzer das Gleiche“, erklärt Trainerin Analena Schwarz. „Aber beim Turniertanz passiert viel gleichzeitig.“

Das Turnier

Und Sprung! (Foto: Bause)

Klar, dass auch die Richter bei den Turnieren versuchen müssen, den Überblick zu behalten. Die vier Wettkämpfe finden in Turnhallen an verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen statt. Gegen acht andere Gruppen hat Violett in dieser Saison getanzt. Die ersten beiden Turniere haben sie gewonnen, beim dritten wurden sie siebte. „Vor dem letzten Turnier hatte ich richtig Angst“, sagt Emma. „Wenn wir da nicht gut gewesen wären, hätten wir in die Relegation gemusst und gegen die schlechtesten aus der Liga über uns antreten müssen.“ Zum Glück klappte alles: Im letzten Turnier belegten sie Platz eins. „Wir haben uns so sehr gefreut. Das hat sich angefühlt, als hätte man bei zehn Mathearbeiten eine eins geschrieben“, sagt Elena. In der nächsten Saison tanzt „Violett“ in der Jugendverbandsliga West. Die Mädels wissen, was auf sie zukommt: Noch mehr hartes Training. Schon jetzt üben sie komplizierte Sprünge für die neue Choreographie. „Es ist eine Herausforderung, ständig neue Bewegungen lernen zu müssen, aber ein tolles Gefühl, wenn man sie dann beherrscht“, sagt Emma.

Die Liga

Gruppen aus NRW tanzen im „Ligabereich West“. Bisher war „Violett“ in der „Jugendlandesliga West I“, jetzt sind sie aufgestiegen in die „Jugendverbandsliga West“. Es gibt noch sechs andere Jugendverbandsligen in Deutschland – gemeinsam bilden sie die höchste Stufe im Jugendtanzsport. Am Ende einer Saison treten die Besten aus den Verbandsligen noch mal gegeneinander an.

Von Angela Sommersberg

 

 

 

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